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"Free Fire": Dreckskerle im Kugelhagel

Eine gescheite Schießerei zur Musik von John Denver

Dreckskerle im Kugelhagel

Cillian Murphy, Sam Riley ("Das finstere Tal"), Michael Smiley (v. l.) in "Free Fire", produziert von Martin Scorsese. Bild:

"Hast du eine Kopfwehtablette?", fragt Stevo (Sam Riley) den nicht minder abgesandelten Bernie (Enzo Cilenti). Er antwortet lapidar: "Ich hätte Kokain."

Zeilen wie diese im Film "Free Fire" sind es, die Anhängern des gepflegten Gangster-Kinos verkünden, dass heitere Zeiten bevorstehen. Weil Delikte mit solchen Typen meist amüsant in die Binsen gehen. Die zwei Junkies sind Iren im Jahr 1978 und fahren in eine alte Lagerhalle im Städtchen Boston an der englischen Ostküste. Stevos Bruder Frank und dessen Boss Chris – gespielt von den irischstämmigen Darstellern Michael Smiley und Cillian Murphy – wollen dort von Amerikanern Waffen kaufen. Die Atmosphäre? Geschwängert von Testosteron, Rauch und Angstschweiß. Dazu kommen aufgesetzte Coolness, der Duft vom Bartöl des US-Verkäufer-Dandys Ord (Hollywood-Star Armie Hammer) und das permanente Sendungsbewusstsein von Chefhändler Vernon (Sharlto Copley), einem eitlen Geck mit Föhnwelle.

Eine besoffene Geschichte

Eine abgedrehte Mischung an Dreckskerlen, die zum Pulverfass wird. Einerseits, weil die schöne Amerikanerin Justine, Oscarpreisträgerin Brie Larson, die Gemüter erhitzt. Andererseits, weil statt M16- nur AR-60-Gewehre geliefert worden sind.

Eine blöde, besoffene Geschichte vom Vorabend tut ihr übriges. Und die Waffen werden nicht mehr gekauft, sondern auf beiden Seiten eingesetzt. Es beginnt eine mehr als eine Stunde dauernde Schießerei, in der Regisseur Ben Wheatley ("High-Rise") gekonnt mit jedem Querschläger die Fronten in Frage stellt und neu sortiert. Ein choreografisches Meisterstück aus Soli und Ensemblespiel, Tempo und Drosselung, spitzen Dialogen und Einzeilern mit saublöder Situationskomik, bei dem am Ende alle auf dem Boden liegen.

Im Grunde ist Wheatleys Werk, vor dem Hintergrund der IRA, ein kompromissloser, ironisierender Kommentar über das Prinzip "Auge um Auge, Kugel um Kugel". Er gibt es der Lächerlichkeit preis. Etwa, wenn "Annie’s Song" von John Denver aus dem Kassettendeck im Waffen-Transporter erklingt und draußen Verwundete kriechend Blutspuren im Dreck ziehen.

Free Fire: GB/F 2016, 90 Min., R.: Ben Wheatley

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Nora Bruckmüller 08. April 2017 - 00:04 Uhr
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