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"Ein ganzes halbes Jahr": Ein romantischer Film wie ein Pfeil mitten ins Herz

"Ein ganzes halbes Jahr" mit Emilia Clarke startet schwach und wird zur starken Leinwandtragödie.

Ein romantischer Film wie ein Pfeil mitten ins Herz

Emilia Clarke, Sam Calflin Bild: Warner

Gegen Ende war es dann doch da. Das leise Schniefen und das Rascheln der Taschentuch-Packerln.

Dass bei der Vorpremiere von "Ein ganzes halbes Jahr" Tränen fließen werden – danach fühlte es sich zu Beginn ganz und gar nicht an. Letztlich war es aber die Reise der Protagonisten zu einander in dieser Adaption von Jojo Moyes Bestseller (mehr in der Box), die so bewegte. Und bei dieser entsteht zwischen einem jungen Mann, der nach einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist, und seiner Betreuerin bedingungslose Liebe.

Der Anfang wird aber nur wenige vom Hocker reißen. Regisseurin Thea Sharrock inszeniert das Zusammenfinden von Louisa, 26, und Will, 31, auf eine Art, die den akzeptierten, unkomplizierten Ton des Romantik-Genres zu stark aufdreht. Die zwei erfolgreichen Jungschauspieler, "Game of Thrones"-Star Emilia Clarke und Sam Claflin ("Tribute von Panem"), werden in Schablonen gepresst.

Clarke soll als "Lou" für süße Naivität, lebensbejahende, fröhliche Buntheit stehen. Sie verkauft in einem Café in ihrer kleinen englischen Heimatstadt zuckrige Köstlichkeiten, sie wird entlassen und findet als Begleiterin für Will wieder Arbeit. Dafür hat sich Clarke eine Palette mädchenhafter Ausdrücke angelernt – aufgerissene Puppenaugen, viel Grinsen, stets unbeirrbar herzlich. Dabei sieht sie exzentrisch aus, als hätte sie "Sex And The City"-Designerin Patricia Field angezogen. Ihr anfänglicher Herzbube Patrick nennt sie "Kobold-Dragqueen". Patrick ist, im Sinne der Schwarzweiß-Malerei im Film, fanatischer Läufer. Das arge Gegenteil zu Will, den Claflin mit vorhersehbarer Bitterkeit versieht.

Clarke und Claflin spielen ihre Parts gut. Doch die inhaltliche Enge lässt ihn unscheinbar, leer wirken, sie zuweilen clownhaft. Es dauert, bis ihre, die eigentliche Geschichte ins Zentrum rückt. Erst müssen sich unglückliche Konstellationen auflösen. Dann ist Will, der Spross reicher Schlossbesitzer, nicht mehr ein Adel-Romeo und Louisa keine Arbeiterklasse-Julia mehr, sie nicht mehr die Schöne, er das unnötige "passiv-aggressive Biest".

Eine sehr ernste Problemstellung hebt den Film auf eine heftig diskutierte Ebene: Wills Wunsch, in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Und Louisas Glaube daran, für ihn Beginn eines neuen Lebenswillens zu sein.

Wie sich das Paar daran aufreibt, nach Freiheit sucht, Witz und Wärme gleichzeitig nicht loslässt, wird zur bittersüßen Tragödie mit starken Darstellern. Samt einem Ende, das lange nachwirken wird.

Ein ganzes halbes Jahr: USA 2016, 111 Min.,

OÖN Bewertung:

 

Hintergrund

Die Vorlage: Mit „Ein ganzes halbes Jahr“ (2012) ist der britischen Journalistin und Autorin Jojo Moyes der internationale Durchbruch gelungen. Das Buch wurde in 32 Sprachen übersetzt und weltweit rund fünf Millionen Mal verkauft.

Der Film: Bei den einflussreichen MGM-Studios hatte man sich bereits 2013 die Rechte an dem Stoff gesichert. Er ist prädestiniert dafür, das junge Kinopublikum anzusprechen. Seit dem US-Start (3. 6.) hat der Film bereits mehr als 85 Millionen US-Dollar eingespielt (Produktionskosten: 20 Mio.)

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Artikel Nora Bruckmüller 25. Juni 2016 - 00:04 Uhr
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