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Ein Film wie rotzfrecher Rock'n'Roll

"Hotel Rock'n'Roll" überzeugt mit sympathischen Anti-Helden.

Ein Film wie rotzfrecher Rock’n’Roll

Chaostrio: Max (Michael Ostrowski), Mao (Pia Hierzegger), Jerry (Gerald Votava) Bild:

Wie Sie an Sex und Drogen gelangen, ist Ihre Sache. Den Rock’n’Roll aber besorgt dieser Film. Um zu verstehen, warum, ein Zitat von Aerosmiths Steven Tyler: "Wir dachten, dass alles, was wert war, gemacht zu werden, ebenso wert war, übertrieben zu werden." Und genau dieser rotzfrechen Einstellung hat sich Michael Ostrowski als Regisseur von "Hotel Rock’n’Roll" hingegeben – im besten Sinne.

Das Niveau des Witzes reicht vom Arg-Tiefen des Schenkelklopfers bis hinauf in elitäre Spaßsphären, in denen Nietzsche bemüht wird ("Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik"). Die Inszenierung ist furios, das Tempo oft so rasant, dass die Form die Stringenz des Inhalts überholt.

Der ist aber ohnehin einfach erzählt: Mao (Pia Hierzegger) hat von ihrem Onkel Waberl (Willi Resetarits) ein heruntergekommenes Hotel in der steirischen Pampa geerbt. Kurzerhand übernimmt sie mit ihren halbseidenen Bandkollegen den Betrieb: Max – ihn spielt Regisseur Ostrowski – und Jerry, den Gerald Votava ("Maikäfer flieg!") gibt. Was Mao aber nicht weiß: Onkel Waberl hat ihr mit dem Haus 170.000 Euro Schulden hinterlassen. Um dieses Problem zu lösen, beginnt ein Wettstreit der schrägen Ideen. Nebenbei tauchen Detlev Buck als Hotelier-Konkurrent, Sven Regener als Hohepriester der Musik und Stefanie Werger als Puff-Mutti auf.

Anarchisch inszeniert

Ostrowski, der nach dem Tod von Michael Glawogger die Regie für "Hotel Rock’n’Roll" übernommen hat, den Nachfolger von "Nacktschnecken" (2004) und "Contact High" (2009), bereichert diese Episoden mit seiner anarchischen, furchtlosen Art der Inszenierung. Genres werden beliehen oder zerschlagen – Verwechslungsschinken, liebliche Hotel- wie Heimatfilme, die Nervosität von Louis-de-Funès-Komödien, oft lose montiert wie im TV-Format "Tohuwabohu".

Es wird gesoffen, gestritten, geraucht, intensiv gelebt, und das in einer fabelhaft ausgestatteten Umgebung, in der jedes Detail passt – ob Votavas Skorpion-Gürtelschnalle oder das liederlich bis schwülstige Interieur des Themen-Hotelzimmers "Love Chamber" ("Liebeskammer"). All dies hält die kindliche "Wir schoffen ois!"-Mentalität" der von sich selbst überzeugten Möchtegern-Musiker zusammen. Das leidenschaftliche Ensemble modelliert sie zu sympathischen Anti-Helden.

Kino: "Hotel Rock’n’Roll" (A 2016, 100 min), Regie: Helmut Köpping, Michael Ostrowski

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Nora Bruckmüller 27. August 2016 - 00:04 Uhr
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