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"ES": Es ist wieder da

"Es" jetzt neu im Kino: Eine erschreckend gelungene Hommage an das Original

Es ist wieder da

Hinter Horrorclown Pennywise steckt Bill Skarsgard. Der junge Schauspieler löste mit seinem diabolischen Lächeln am Set immer Angst aus, nachdem er die Maske verlassen hatte. Bild: Warner Bros

Es ist kein Regen mehr, der in der US-Kleinstadt Derry niedergeht, sondern schon eine Sintflut. Und sie kündigt im neuen "Es"-Kinofilm wie im Original (1990) ein Unglück biblischen Ausmaßes an.

Wer sich an die Erstauflage nach Stephen Kings gleichnamigem Buch erinnert, weiß was folgt. Ein Bub wird seinen gelben Regenmantel anziehen, seinem Papierboot im Sturzbach neben dem Gehsteig ins Unglück nachrennen, in die Kanalöffnung schauen, wo es versank ...

Und genauso, wie man es aus dem fast 30 Jahre alten Kult-Horrorschocker kennt, wird "Es" auf ihn warten. Denn die neue Adaption wird keineswegs dem guten, alten Werk in Erzählung und From untreu. Es ist vielmehr, als hätte man es nach den neuen Standards restauriert, richtig gut aufpoliert.

Der Schreck fährt einem deshalb nicht weniger durch Mark und Bein, wenn Horroclown Pennywise nach dem entzückenden Buben greift und mit den mehrreihigen Zähnen einer Tiefseekreatur zubeißt. Bill Skarsgård, Bruder von Alexander und Sohn von Stellan, steckt hinter der weißen Maske. Er macht seine Sache sehr gut. In jeder Sekunde scheint er verrückt, nicht auf die gute, ausgelassene Art, sondern die böse, psychopathisch-bedrohliche.

Regisseur Andres Muschietti, der mit der Prestige-Produktion "Es" erst seinen zweiten Langfilm umgesetzt hat, weiß genau, wie er mit der Angstlust des Zusehers spielen kann. Mit der alten, weil man ja vom Original her ahnt, was passieren kann. Und mit der neuen, weil alles ja auch ganz anders, noch schrecklicher, blutiger, raffinierter kommen könnte.

Doch auf eines kann man sich verlassen. Wieder ist es eine Bande Kinder, angeführt von Billy (Jaeden Lieberher), dem Bruder des ersten Opfers, die dem mysteriösen Kinder-Sterben in Derry entgegentreten, und dafür in einen hässlichen Abgrund blicken. Billy und seine Kumpel sind mit echten Talenten besetzt, sodass man über die Musik, die das Böse extra altbacken ankündigt, lauter, dichter oder kreischender, hinweghören kann.

Famos wiederum ist das Timing, der Schrecken und die klar herausgearbeitete, lieblose Welt der Kinder, in der Väter ihre Macht zeigen und Mütter abwesend oder passiv-aggressiv sind. Sie zerstört das Unschuldige ebenso wie der rothaarige Clown mit den Reißzähnen.

"ES": USA 2017, 135 Min., Regie: Andres Muschietti

OÖN Bewertung:

 

Angst vor Clowns?

Interview mit dem Linzer Psychologen Hans Morschitzky

Von Claudia Riedler

OÖN: Kann man sich vor Clowns eigentlich richtig fürchten?

Morschitzky: Bei den Clowns im Film ist der Bedrohungsaspekt im Vordergrund, nicht die lustige Verkleidung. Es ist ein subjektives Gefühl von Kontrollverlust und Ausgeliefertsein, das Angst macht.

Was ist der Unterschied zwischen Film und „realen“ Horrorclowns?

Im Film sind wir keiner realen Person ausgeliefert, der Horror ist kontrolliert. Wer sich einen Horrorfilm anschaut, lässt sich darauf ein, er zahlt für die Kinokarte und weiß, was ihn erwartet. Es gibt diese Angstlust, man will sich gruseln.

Wer sollte sich dennoch keine Horrorfilme ansehen?

Menschen mit einer generalisierten Angststörung könnten hier Probleme bekommen. Diese stellen sich alles sehr bildhaft vor und die Bilder holen sie immer wieder ein.

Wann sind Ängste krankhaft?

Wenn sie unproduktiv werden. Wer unter einer Angststörung leidet, spielt ständig Was-wäre-wenn-Szenarien durch und ist fixiert auf das Restrisiko. Etwa: Was wäre, wenn es auch bei uns einen Terroranschlag gibt? Patienten verbringen mehrere Stunden am Tag damit.

Wie wirkt sich das aus?

Die Menschen sind ständig unter Anspannung. Das kann zu Kopf- und Bauchschmerzen führen, auch zu Schwindel und Herzrasen. Meist findet der Arzt keine Ursache, weil eine generalisierte Angststörung dahintersteckt.

Was hilft dagegen?

In meinem neuen Buch „Angst und Sorgen die Macht nehmen“ (Patmos-Verlag, Anm.) beschreibe ich neun Schritte zur Selbsthilfe. Mit der Achtsamkeitstherapie kann man etwa Distanz schaffen. Dabei hält man sich vor Augen, dass es nur ein Bild ist, das Angst macht.

Sollen Kinder Horrorfilme wie „Es“ sehen?

Das ist individuell unterschiedlich. Wenn Kinder oder Jugendliche einen Horrorfilm sehen möchten, sollten Eltern sie auf jeden Fall darauf vorbereiten, gemeinsam den Film anschauen und darüber sprechen. Es darf auch abgebrochen werden, wenn es zu viel wird.

 

Hintergrund

Der Ursprung des Clowns wird in der Commedia dell’arte gesehen, der italienischen Tradition umherziehender Spieler im 16., 17. Jh.. Und zwar in der Figur des Zanni, eines Dieners. Später folgte der Arlecchino.

Die Funktion des Clowns ist in den Künsten nicht nur auf lustige Blödelei festgelegt. Es gibt den intellektuellen „Weißclown“, den traurigen Clown sowie den Clown, der Doppelmoral aufdeckt (Krusty in „Die Simpsons“). Und es gibt den Clown als Angstmacher (u. a. der Joker in „Batman“).

Stephen King hat in „Es“ den wohl berühmtesten Horrorclown geschaffen, Autor Stephen King im Porträt.

Horrorclown: In den vergangenen Jahren kam es zum Phänomen „Horrorclown“, bei dem Maskierte Fremde erschrecken.

 

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Artikel Nora Bruckmüller 30. September 2017 - 00:04 Uhr
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