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Dieser Landarzt ist kein Bergdoktor

Kino: "Der Landarzt von Chaussy" ist eine Hommage an einen schwierigen Berufsstand.

Dieser Landarzt ist kein Bergdoktor

Francois Cluzet ist "Der Landarzt von Chaussy". Bild: Alamode Film

"90 Prozent der Diagnosen kommen von den Patienten selbst", sagt Landarzt Jean-Pierre Werner. Man müsse die Leute einfach nur reden lassen, erklärt er seiner Kollegin Nathalie, die ihn bei seiner anstrengenden und wichtigen Arbeit unterstützen soll. Er aber hat sie nicht darum gebeten, sie wurde ihm von einem befreundeten Mediziner gleichsam aufs Auge gedrückt. Denn der wiederum hat Jean-Pierre mit einer niederschmetternden Diagnose konfrontiert: ein nicht operabler Gehirntumor mit Metastasen in der Lunge. Er solle nun weniger arbeiten, sich mehr schonen.

Realistisches Ärzte-Bild

Jean-Pierre reagiert auf die Diagnose mit scheinbar stoischer Gelassenheit. Und genau dieser Gesichtsausdruck, als ob ihn nichts und niemand erschüttern könne, ist es auch, den Schauspieler Francois Cluzet so unnachahmlich beherrscht. Den hat er auch schon in dem Erfolgsfilm "Ziemlich beste Freunde" als querschnittgelähmter reicher Grantscherm aufgesetzt, der in einem schwarzen Pfleger einen ziemlich guten Freund gewinnt.

Francois Cluzet ist ein großartiger Schauspieler, der meist melancholisch bis mürrisch wirkt, aber der Schalk blitzt in den Augen. . Regisseur Thomas Lilti (40) weiß, worüber er diesen Film gedreht hat. Arbeitete er vor seiner Film-Tätigkeit doch selbst als Mediziner. "Der Landarzt von Chaussy" ist somit auch weit entfernt von TV-romantisierten Ärzte-Bildern wie beispielsweise in "Der Bergdoktor".

Der Film schildert den rund um die Uhr dauernden Alltag des Landarztes, die Hausbesuche bei den Patienten, seine auch freundschaftliche Fürsorge um all jene im Dorf, die er seit Jahrzehnten kennt. Seiner Kollegin aber macht er die Übernahme der Praxis nicht leicht. Schauspielerin Marianne Denicourt als Ärztin ist für Francois Cluzet eine kongeniale Film-Partnerin: eine selbstbewusste, einfühlsame Frau, die sich vor keiner (Medizin-)Arbeit scheut. Dass die beiden schließlich doch noch zu ziemlich guten Freunden werden, liegt auf der Hand, ist aber keine Kitschromanze.

Ein sympathischer Film, zugleich auch eine Hommage an einen wichtigen und schwierigen Beruf, jedoch ohne Beschönigungen oder Weinseligkeit. Sehr menschlich, realistisch und überzeugend gespielt.

Kino: "Der Landarzt von Chaussy", F 2016, 105 Min., Regie: Thomas Lilti

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Silvia Nagl 10. September 2016 - 00:04 Uhr
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