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Der Baywatch-Film säuft zwischen kindischem Schmäh und Nostalgie ab

Die Kinoversion will Jung und Alt gefallen - das Ergebnis ist ein bisserl witzig, sonst mau

Der Baywatch-Film säuft zwischen kindischem Schmäh und Nostalgie ab

Dwayne Johnson ist Mitch Buchannon, der Mentor von Matt Brody (Zac Efron) Bild:

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood die Kultserie "Baywatch" (1989–1999) als Film auf den Markt werfen würde. Jetzt ist er da. Und es fühlt sich beinahe wie Frevel an, wenn nicht David Hasselhoff den Charakter Mitch Buchannon mit Leben erfüllt. Für das Kino stapft statt "The Hoff" nun "The Rock" als oberster Badewaschel den Strand von Malibu entlang. Dwayne "The Rock" Johnson, ein Muskelberg, macht seine Sache gar nicht einmal so schlecht. Locker, lässig, mit Schmäh.

Doch wie alle in diesem Film ist er ein Opfer einer Agenda, die erfüllt werden muss: Den zahlenden Zielgruppen ist leicht Verdauliches zu bieten. Der Kult wird dafür ironisiert, damit die Fans der Serie über ihren Geschmack von damals schmunzeln können. Jungen wird das gegeben, was sie kennen.

Einmal Action, einmal Satire

Handlung und Besetzung zeigen das: Johnson haben die Auftritte in der Action-Reihe "Fast And Furious" extreme Bekanntheit unter jungen Kinogehern verliehen. Als Mitch ruft er zu einem Bewerb, um neue Retter zu rekrutieren. Für Serienfans waren diese Aufnahmerituale Höhepunkte! Die Schönen, die sich dabei im Sand räkeln, entsprachen einst dem Fitnesstrend, nun jenem zur Selbstoptimierung der Selfie-Generation. Im Film tritt Zac Efron als ungestümer Matt Brody dabei an. Der Teenie-Schwarm aus "High School Musical" (2006–2008) ist heute ein Womanizer mit Waschbrettbauch.

Mitch und Brody müssen sich zusammenraufen, denn Drogenhandel und faule Geschäfte verseuchen den Strand. Regisseur Seth Gordon ("Kill The Boss") inszeniert das als wilden Genremix, der die simple Handlung unübersichtlich macht, weil er sie zerhackt – in Action, Krimi, Satire, Haudrauf-Schmäh bunt zusammengewürfelt. Yachten brennen, Leichen werden angespült, was wie eine sexy Version von "CSI: Miami" daherkommt. Dann klemmt sich der feiste Rettungsschwimmer-Lehrling Ronnie (Jon Bass) den Penis in einer Strandliege ein. Wie? Das will man vergessen, aber es hat etwas mit C. J. zu tun. Kelly Rohrbach erfüllt die Anforderungen des Busen-Parts, der Pamela Anderson gehörte ...

Neben "mau" und "irritierend infantil" kann der Film aber auch ein bisschen lustig sein. Die Chemie zwischen Johnson und Efron stimmt. Brody bekommt von Mitch viel zu hören, vor allem Spitznamen wie "Justin Bieber", "New Kid On The Block" und "High School Musical". Efron verdient sowieso Sonderlob: Selten hat ein Star sein Image als Posterboy mit so viel Freude und Selbstironie als Witzvorlage verwendet. Retten kann er den Film damit aber nicht. Baywatch ist ein Bauchfleck.

Baywatch: USA 2017, 117 min, Regie: Seth Gordon

OÖN Bewertung:

"BAYWATCH – DIE SERIE": FÜNF FAKTEN ÜBER EIN PHÄNOMENALES FERNSEHFORMAT

"Baywatch - die Serie": Fünf Fakten über ein phänomenales Fernsehformat

1. In 140 Ländern war die US-Serie (1989–1999) während ihrer Blütezeit zu sehen. Damals schauten pro Woche bis zu einer Milliarde Menschen zu.

2. Der Anfang war schwer: „Baywatch“ wurde gleich nach der ersten Staffel 1989 abgesetzt, weil dem Sender die Quoten zu niedrig waren. Dank des Einsatzes von David Hasselhoff, der mit der Serie Weltruhm erlangte, kehrte sie 1991 zurück. Das Original endete 1999, bis 2001 gab es allerdings noch „Baywatch Hawaii“.

3. „Baywatch“ hatte den Spitznamen „Babewatch“. Das kam daher, weil sich ganze neun Schauspielerinnen der Serie im „Playboy“ zeigten: Pamela Anderson (Rolle der C. J. Parker), Erika Eleniak (Shauni), Donna D’Errico (Donna), Traci Bingham (Jordan), Carmen Electra (Lani), Angelica Bridges (Taylor), Marliece Andrada (Skylar), Brande Roderick (Leigh) und Alicia Rickter (Carrie).

4. Pamela Anderson stand damals nicht nur David Hasselhoff im Fernsehen zur Seite. Sie trat auch in Tim Allens „Hör’ mal, wer da hämmert“ auf – als Assistentin in „Tool Time“.

5. Jeremy Jackson schnappte sich die Rolle von Mitchs Sohn Hobie Buchannon. Auf der Besetzungsliste tauchte damals auch der Name eines Schauspielers auf, der heute stolzer Oscarpreisträger ist: Leonardo DiCaprio.

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Artikel Nora Bruckmüller 02. Juni 2017 - 19:45 Uhr
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