Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Donnerstag, 14. Dezember 2017, 14:04 Uhr

Linz: 5°C Ort wählen »
 
Donnerstag, 14. Dezember 2017, 14:04 Uhr mehr Wetter »
Freizeit  > Kino  > OÖN-Filmkritik

Das Leben neu ordnen

Isabelle Huppert brilliert in "Alles was kommt"

Das Leben neu ordnen

Wieder eine starke Frauenrolle für die wunderbare Isabelle Huppert. Bild: Filmladen

Wer mit so viel Minimalismus in Ausdruck und Mimik derart viel zeigen kann, der beherrscht perfekt die große Kunst des Schauspiels – so wie Isabelle Huppert (63). Sie ist es, der die Kamera ständig in respektvoller Distanz folgt. Die Huppert geht in diesem Film viel, läuft oft, hält ihren zierlichen Körper immer in Bewegung.

Sie spielt in diesem Film die Philosophielehrerin Nathalie. Alles funktioniert: die Ehe mit dem Langweiler Heinz, die kurzen Gespräche mit den Kindern, die nervenden Anrufe der kranken Mutter. Nur die Gespräche mit ihren Schülern scheinen sie aus dem Alltagstrott herauszureißen. Plötzlich wird alles anders: Heinz verlässt sie wegen einer anderen. Aber auch in diesem Moment behält Nathalie/Huppert die Contenance, diese Schauspielerin braucht kein aufgeregtes Getue. Ein kleines Zucken des Mundwinkels genügt, um den Schmerz zu fühlen. Und wenn ihr im Bus sogar eine Träne die Wange herunterrinnt, dann ist das für Huppert schon wie eine Anwandlung von Gefühlsduselei. Und mit all diesem Minimalismus zeichnet sie ein umfassendes, subtiles Frauenporträt zwischen Traurigkeit und Trotz, Stärke und Zerbrechlichkeit.

Nathalie richtet sich in ihrem neuen Leben ein, genießt die Freiheit. Regisseurin Mia Hansen-Løve scheint sich, so wie viele Cineasten in den bisher 45 Leinwand-Jahren der Huppert auch, in die Schauspielkunst dieser Frau verliebt zu haben. Der Film ist wie eine Hommage an die Grande Dame des europäischen Kinos – für die Regie gab es den Silbernen Bären bei der Berlinale.

Kino: "Alles was kommt", D/F ‘ 16, 105 Min.; Regie: Mia Hansen-Løve

OÖN Bewertung:

 

Kommentare anzeigen »
Artikel Silvia Nagl 05. November 2016 - 00:04 Uhr
Mehr OÖN-Filmkritik

"Zwischen zwei Leben": Dieser Film verunglückt, noch bevor das Flugzeug in den Bergen abstürzt

"Zwischen zwei Leben" überlebt knapp – dank Kate Winslet, Idris Elba und famoser Bilder

"Harri Pinter Drecksau": Der Mensch im Macho

Harri Pinter, Drecksau: Jürgen Maurer spielt einen Sportler, der in den besten Jahren erwachsen wird.

"Coco": Diese Toten sind alles, nur nicht knochentrocken

Ein buntes, lebensfrohes Abenteuer im Jenseits.

„Lady Macbeth“: Gefangen im düsteren Käfig einer lieblosen Ehe

Die junge Schauspielerin Florence Pugh brilliert im britischen Kostümfilm „Lady Macbeth“ nach ...
Meistgelesene Artikel   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!