Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Sonntag, 22. Oktober 2017, 15:39 Uhr

Reichenau im Mühlkreis: 8°C Ort wählen »
 
Sonntag, 22. Oktober 2017, 15:39 Uhr mehr Wetter »
Freizeit  > Kino  > OÖN-Filmkritik

"Barry Seal": Tom Cruise als Gringo, der Koks und Waffen liefert

Das skurrile Leben von US-Pilot Barry Seal im Kino.

Tom Cruise als Gringo, der Koks und Waffen liefert

Ein Schlaucherl, das die CIA und die Kartelle linkte: Tom Cruise als Barry Seal Bild: Universal

Barry Seal ist ein Adrenalinjunkie, der als Verkehrspilot einen kritischen Punkt erreicht hat. Seine Fliegerei für die "Trans World Airlines" ist zur reinen Routine geworden.

Kleine Freuden macht sich der Pilot selbst, den mit Tom Cruise ein in Stunts verliebter Hollywood-Star spielt. Wenn er auf einem ruhigen Nachtflug heimlich den Autopiloten ausschaltet, um die Turbulenzen hautnah zu genießen.

In Seals Leben sollen, wie der gleichnamige Film nach wahren Begebenheiten zeigt, noch weit interessantere "Rüttler" folgen, dann Abstürze, die nur ganz knapp vor dem Aufprall gestoppt werden.

Er wird von der CIA angeheuert, dem US-Auslandsgeheimdienst. Es sind die 80er-Jahre und die Amerikaner brauchen jemanden, der ihnen die kommunistischen Widerständler in Südamerika fotografiert – von oben aus. Seal nimmt den Deal "Bilder gegen Geld und Abenteuer" an, den ihm Agent Monty Schafer unterbreitet hat. Diesen aalglatten Schlawiner spielt Domhnall Gleeson, der den Schausspielkünsten seines Vaters Brandon alle Ehre bereitet. Wie sich aber herausstellt, hat Seal damit einen Pakt mit gleich zwei Teufeln geschlossen. Denn wer "als Gringo" einmal die Woche nach Südamerika fliegt, gehört automatisch den Machthabern, den Drogenbossen. Sie zwingen ihn zum Schmuggeln, was sie ihm mit vielen Dollarbündeln vergüten. Jorge Ochoa (Alejandro Edda), Benito Martinez (James Rangel) und der Pablo Escobar (Mauricio Mejí) lassen sich nicht lumpen. Und Cruise?

Dem sieht man bis in die stets vorbildlich zerzausten Haarspitzen an, dass es ihm taugt, der lockere, unverbindliche, sympathische, mit kriminellen Energien gespeiste Seal zu sein. Ein Mann, der bald Interessen von CIA und Kartellen zugleich bedient, sie gegeneinander ausspielt und als "Lieferservice" für Waffen, Kokain und Infos ein Imperium aufbaut. Dabei versteht er die Kunst, unantastbar zu werden, brauchen ihn doch beide Seiten – das geht lange gut, aber nicht ewig. Bis dahin gibt es solides Popcorn-Kino mit satirisch- surrealen Situationen, skurrile Figuren, feinen Panoramaaufnahmen, Flugaction und Cruise, der sich einmal nicht auf einen schalen Aufguss von "Mission Impossible" eingelassen hat. Auch nicht von "Top Gun".

Barry Seal: USA 2017, 115 Min., Regie: Doug Liman

OÖN Bewertung:

 

Kommentare anzeigen »
Artikel Nora Bruckmüller 09. September 2017 - 00:04 Uhr
Weitere Themen

"Schneemann": Wie "Tatort" mit "Universum"-Bildern

Der Kino-Krimi "Schneemann" ist visuell besonders, seine Komposition nicht.

"Das Fell des Bären": Wortkarge Annäherung von Vater und Sohn

"Das Fell des Bären" zeigt Schönheit der Dolomiten.
Meistgelesene Artikel   mehr »
Bitte Javascript aktivieren!