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"Baby Driver": Kevin Spacey gibt einem Burschen Gas

In "Baby Driver" gerät der Star als Gangsterboss in ein rasantes Spiel um Macht.

Kevin Spacey gibt einem Burschen Gas

Ansel Elgort, Kevin Spacey (r.) Bild: Sony Pictures

Wenn Kevin Spacey in die Rolle eines Anführers voll krimineller Energie schlüpft, tut jeder, was der Oscar-Preisträger will. Das stellt er als US-Präsident in der Serie "House of Cards" unter Beweis und jetzt im neuen Kinofilm "Baby Driver".

Spacey gibt darin den Gangsterboss Doc. Angezogen wie ein Banker, präzise wie ein Ingenieur, machtlustig wie ein Sadist. Als Doc hat er den jungen Fluchtfahrer Baby an der Kandarre, den der wunderbar lässige Ansel Elgort spielt ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter"). Baby stiehlt seit seiner Kindheit Autos. Und das so virtuos, wie er sie fahren kann. Weil er dummerweise einmal Docs Wagen entwendet hat, muss er ihm seine Schuld in Form von "Jobs" begleichen. Und Doc kennt kein Nein.

Der britische Regisseur Edgar Wright versteht es bestens, dieses abgedrehte Gangstermilieu und die furiosen, fast ohne Computer-Kunst geschaffenen Verfolgungsjagden als Hintergrund einzusetzten – für das Erwachsenwerden von Baby, Elgorts sympathischen, fast verboten coolen Anti-Helden, den eine erbärmliche Kindheit irgendwann die falsche Ausfahrt nehmen lassen hat. Es dauert eine Weile, bis man versteht, warum Right Babys wilden, motorisierten Ritt von einem Leben mit dem Soundtrack verschmelzen lässt.

Dieser mundfaule Bursche mit Sonnenbrille hört nicht deshalb ständig Musik, weil Regisseur Shaw seine Fluchtfahrten unbedingt nach den Beats in Babys Ohren schneiden musste– was übrigens grandios ist. Sondern, weil Musik Babys Rettung ist – vor dem Tinnitus, der in seinen Ohren klingelt, der Vergangenheit, den herrlich abgefuckten Gangster-Kollegen, als die Oscarpreisträger Jamie Foxx und "Mad Men"-Star Jon Hamm überzeugen.

Erst als er Kellnerin Debora (Lily James) kennenlernt, erkennt Baby, dass der Himmel auch ohne IPod voller Geigen hängen kann. All das macht "Baby Driver" zu einem Film, der ein Hollywood-Erfolgsrezept (Gangster, Autostunts, Liebe) mit dem Feingefühl eines europäischen Kinos und Sinn für die Pop- und Retrokultur kombiniert, wie man sie von Quentin Tarantino kennt. Verwoben mit Musik von Queen, Dave Brubeck, The Commodores, Blur, Beck, Simon und Garfunkel, Barry White ... Spitze!

Baby Driver: USA/GB 2017, 113 M. Regie: Edgar Wright

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Nora Bruckmüller 29. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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