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Das Leben nur anstrengend oder ein Geschenk?

Gerade eben hab ich an dich gedacht, Mama, als ich durch diesen Garten ging.

Die neue Linzer Praxisgemeinschaft Gina Obermüller, www.aufgeschnuert.at, Kornelia Haindl, www.aequator-orange.at, in der Wimhölzlstraße 23, Linz Bild:

Meine Hand streicht über die verschiedenen Kräuter, die von A–Z bis zur Spitze der imposanten Kräuter-spirale führen. Oben ein wunderbarer Ausblick. Bunt verfärbte Weinberge rundherum. Ich atme den Duft der Pflanzen. Schließe die Augen. Ein Moment der Stille umfängt mich.

Einatmen, ausatmen, erinnern, die Wärme der Herbstsonne auf der Haut spüren. Vor meinem inneren Auge sehe ich uns beide, Mama, du und ich Hand in Hand. Ich ganz klein, du erklärst mir die Pflanzen und dazu fällt dir ein Gedicht von K. H. Waggerl ein. Wir sagen es immer wieder, wir beide . . .

Viele Jahre später dieselbe Szene. Ich halte dich an der Hand. Woran du dich noch erinnerst, ist der Duft der Pflanzen und das Gedicht. Wir sagen es immer wieder, an mehr erinnerst du dich nicht mehr. Du bist frühdement geworden und ein paar Jahre später bist du tot. Uns blieben nur mehr ein paar Augenblicke. Sie haben sich eingebrannt in meiner Erinnerung. Das ist das, was von dir bleibt.

Dazwischen viele Jahre Suche. Die Erinnerungen an dich und meine Kindheit waren nicht nur von liebevoller Zuwendung geprägt. Viel habe ich dir verziehen im Laufe der Jahre und versucht, aus dem Guten, das es auch gab, Stärken und Ressourcen zu entwickeln. Es ist mir gelungen, glaube ich. Sinngebend betten sich alle meine Erlebnisse auch in der ehrenamtlichen Arbeit in einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen ein (Verein pro-homine). Auch du warst depressiv, Mama, die Kriegswirren rund um deine Kindertage haben dich geprägt und uns 3 Kinder gleich mit.

Ich habe viel lernen dürfen. Damals hätte ich es mir anders gewünscht. Was ich ohne dieses Leben nicht hätte, ist die Erfahrungen, die ich in meiner Arbeit als Dipl. Paar-, Lebens- und Sozialberaterin in meiner Praxis, bei der Begleitung von Menschen, wie aus einem ehemals mühevollen Leben ein lebenswertes gutes wird, umsetzen kann.

Vor Kurzem kam ein junger Mann zu mir. Er schilderte sein Leid. Tag- und Nachtdienste, 2 Kinder im Volksschulalter, seine Frau auch berufstätig, der Hausbau und Konflikte mit Verwandten fordern beide sehr. Sie beginnen sich zu verlieren, die Beziehung bröckelt. Ein normaler Prozess im Verlauf einer fast 15-jährigen Beziehung meint man. Überforderung eben auf allen Ebenen.

„Naja, es gibt ja verschiedene Lösungsszenarien“ hört man, wie Außenbeziehungen, Trennung bis hin zur Scheidung, man hat sich eben auseinandergelebt und oftmals zum Glück auch nach dem Sturm die Wende. Die Erkenntnis, dass die Liebe doch noch da ist, man wieder achtsam miteinander umgehen lernt, Paarzeiten vereinbart und versucht, gelegentlich dem Alltagsstress zu entfliehen.

Auch die eingeschlafene Sexualität kann sich wiederbeleben. Man „sieht“ und fühlt sich wieder neu. Konflikte werden besprechbar durch die Begleitung. Dann ein paar Wochen später derselbe Mann. Er setzt sich, die Diagnose einer schweren Krankheit verändert sein Leben. Er bringt einen Spruch mit „Die Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft ein Geheimnis und jeder Augenblick ein Geschenk“! Bis 3 Minuten soll angeblich ein Augenblick dauern, habe ich vor Kurzem erstaunt gelesen. Wann waren Sie zuletzt 3 Minuten lange voll im „Hier und Jetzt“? In der Stille bei sich? Was haben Sie dabei gespürt, gedacht, gefühlt? Wie integrieren Sie die Geschichte, die Sie zu dem gemacht hat, was Sie heute sind, in Ihr Leben? Sind Sie zufrieden? Wie gehen Sie mit Konflikten um? Sind Sie liebevoll mit Ihrem Partner oder ignorieren Sie sich und schreien sich eher an? Wie geht es Ihnen mit Ihren Kollegen, Mitarbeitern, Eltern, Kindern Geschwistern und Freunden, Ihren Zielen und mit Ihnen selbst? Egal, wie intensiv die Gefühle sind, die Sie in sich tragen, in dem Moment fühlt es sich an wie die schlimmste Belastung und das größte Problem. Angenommen, Sie hätten nur mehr ein paar Monate Zeit, was würden Sie tun?

Was ich gelernt habe im Laufe der Jahre, ist, dass Veränderung möglich ist. Viele Klienten in der Praxis und SHG haben mir gezeigt, dass auch die schwierigsten Situationen zu meistern sind. Immer wieder habe ich großen Respekt davor, welche Resilienzkräfte Menschen mitbringen und welche Ressourcen sich daraus entwickeln können, solange man die Zeit nutzt, die man noch hat. Es ist eine Entscheidung, aufzustehen. Ihre Entscheidung.

Es braucht Mut, sich anzuvertrauen, und auch Vertrauen zu sich selbst, dass es besser werden kann! Behandeln Sie sich doch selber und Ihr Leben wie ein Geschenk!

Gina Obermüller-Singer ist Dipl. Lebens- und Sozialberaterin
derzeit in Ausbildung zur akadem. geprüften Gartentherapeutin.
Zu erreichen unter 0664 / 88869101.

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Artikel 14. November 2017 - 13:54 Uhr
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