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Burnout – Resilienz eine Kompetenz

Ein Mann kommt in meine Praxis. Er wirkt nervös, seine Hände sind ständig in Bewegung.

Sharing trouble with doctor

Bild: colourbox.de

Er setzt sich und eine Träne rinnt über seine Wange. Es fällt ihm schwer zu sprechen. Ich lasse ihm Zeit, um hier anzukommen. Es ist nicht selbstverständlich, dass viele Männer in die Praxis kommen. „Was mich beschäftigt, mache ich mir mit mir selber aus“, höre ich immer wieder. „Auch mancher Partnerin geht es so!“

In diesem Fall ist es in dem geschützten, vertrauensvollen Raum zum Glück anders. Er erzählt, dass er Angst hat vor dem Berg Akten im Büro. Er fühlt sich wie in einem Hamsterrad, Schlaflosigkeit quält ihn schon länger. „Ich fühle mich müde, ausgelaugt und nicht einmal Sport freut mich mehr“, erzählt er frustriert. „Ich schaffe meine Arbeit nicht und kann mich nicht mehr konzentrieren, auch habe ich vor Kurzem sehr zynisch und gereizt gegenüber einem Kunden und auch einer Kollegin gegenüber reagiert“, stellt er erschrocken fest. Er gilt sonst als einfühlsamer und sehr verantwortungsbewusster Mitarbeiter.

Möglicherweise hat sich langsam und unauffällig ein Burnout in sein Leben geschlichen.

Als er später davon spricht, dass vor Kurzem die, trotz allem gut gelungene Scheidung nach 20 Jahren und die Traurigkeit seiner Kinder, dass Papa nicht mehr in dem seit vielen Jahren selber renovierten Haus wohnt, ihn auch so traurig machen, wird klar, was seine Seele und sein Körper für eine hohe Belastung ausgehalten haben. Einfache Aufgaben werden zur einer Riesenkraftanstrengung und schier unüberwindbaren Herausforderung. Was zuvor sinnvoll erschien, verliert seine Bedeutung. Was Freude brachte, wird als überfordernde Last empfunden. Die Empfindungen werden blass und stumpf, so als läge ein undurchdringlicher Nebel darüber.

Das ist nur eine von vielen Geschichten, die so oder ähnlich auch von Frauen, alleinerziehenden Müttern bis hin zu Führungskräften mit hohem Anspruch an sich selber getragen werden. Ob es sich hierbei um ein viel zitiertes Burnout, eine beginnende Depression oder eine ordentliche Lebenskrise handelt, sollte zusätzlich von Fachärzten geklärt werden. Ich sehe im Burnout oder einer Krise kein Versagen, sondern eine Kompetenz. Es ist die Befähigung, sein Leben zu verändern. Manchmal werden körperliche Signale einfach übersehen, die sagen: „So kannst du nicht weitermachen!“ Jetzt ist die Chance für Veränderung gekommen!

Herr Z hat die Chance genützt! Heute geht es ihm gut! Er hat gelernt, auf seine Bedürfnisse zu achten. Mit wertschätzender Kommunikation gelingt es ihm auch, sich gut abzugrenzen und zu sagen, was er braucht. Durch systemische Betrachtung seiner Gesamtsituation, sowohl beruflich als auch privat, wurde es möglich, gute Entscheidungen für sein Leben zu treffen. Entspannungs- und Körperübungen halfen, seine Schlaflosigkeit zu überwinden! Die erste gute Entscheidung war seine eigene, die Schwellenangst zu überwinden und Hilfe anzunehmen. Gemeinsam wurden dann in der Praxis weitere gute Lösungen erarbeitet!

So wie Herrn Z geht es derzeit vielen Menschen. Jeder fünfte Oberösterreicher ist burnoutgefährdet, mehr als jeder dritte hat Schlafstörungen.

Unterstützung bei Burnout, Lebens- oder Beziehungskrisen bietet Gina Obermüller unter 0664 / 88869101 in eigener Praxis in Linz–Wels–Gmunden (www.aufgeschnuert.at).

Jeden ersten Mittwoch im Monat leitet sie in Wels eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depression und ist ehrenamtlich im Vorstand vom Verein „pro-Homine“ tätig. Der Verein bietet auch für Unternehmen Vorträge und Workshops zum Thema Burnout und Resilienz an.

Gina Obermüller ist Dipl. Lebens- und Sozialberaterin.

 

 

Gina Obermüller ist Dipl. Lebens- und Sozialberaterin.
Foto: privat

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Artikel 11. November 2016 - 07:30 Uhr
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