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„Communisten“ lassen Biere mit Charakter brauen

Bild: Werk

Zum Wohl, Nachbarn! Na zdraví, sousedé!

Der gelbe Saft gibt gute Kraft. Wie sonst wäre zu erklären, dass die Tschechen Weltmeister sind im Biertrinken (145 Liter/pro Kopf) und die Österreicher den zweiten Platz belegen (108 l)? In den vier Orten der Landesausstellung wird das Bierbrauen jedenfalls in hohen Ehren gehalten – auf ganz unterschiedliche Art. Eine Brauereitour inklusive Spezialitätenverkostung von Klaus Buttinger.

Von Klaus Buttinger, 27. April 2013 - 00:04 Uhr

"Communisten" lassen Biere mit Charakter brauen

Nachdem Freistadt zweimal abgebrannt war, entschlossen sich die 1770 zweifellos weitblickenden Stadtväter, künftig außerhalb der Stadt brauen zu lassen. Allerdings lag das Privileg, Bier brauen zu dürfen, auf den Bürgerhäusern innerhalb der Mauern. Die Folge war eine mittlerweile europaweit einzigartige Gesellschaftskonstruktion, die Biercommune, deren Brauhaus zwischen 1770 und 1780 errichtet wurde. Das Grundkapital (6390 Eimer, 1 Eimer = zirka 56 Liter) wurde auf 149 Häuser verteilt; für jedes sind mindestens 15 Eimer grundbücherlich sichergestellt. Kein „Biercommunist“ darf mehr als 140 Eimer-Anteile zukaufen. „Man hat damals schon unterbunden, dass der Besitz beim Finanzkräftigsten landet“, sagt Braumeister Johannes Leitner und freut sich über die Konzern-Unabhängigkeit des regionalen Bierversorgers, der 70.000 Hektoliter pro Jahr ausstößt. Aus Malz und einhundert Prozent Mühlviertler Hopfen werden sechs Sorten erzeugt – allesamt von allerhöchster Schmackhaftigkeit.Verkostungsnotiz: Landesausstellungsbier „Junghopfenpils“: spritzig, grasig, schlank, vielfältige Hopfenaromen durch dreierlei Hopfensorten und HopBack-Verfahren.

Info: Braucommune Freistadt, Brauhausstraße 2, 07942/ 757 77, office@freistaedter-bier.at, www.freistaedter-bier.at. Übersichtsschau zur Landesausstellung, (tgl. 9–18 Uhr). Gastronomie im Brauhaus (tgl. 9–24 Uhr).

Bierreise durchs Moldau-Tal

Smetana im Ohr durch die kurvige Allee entlang der schönen Moldau nach Krumau zu fahren, kommt einer romantischen Vorstellung schon sehr nahe. Das war aber auch das einzige Klischee, das sich im Rahmen der grenzübergreifenden Bier-Recherche bestätigte. Ein typisch tschechisches Bier war ebensowenig zu finden wie ein mühlviertlerisches. Dies- und jenseits der Grenze dominiert mittlerweile die Biervielfalt – nicht nur aufgrund von Microbreweries und Privatbrauern. Die Krumauer brauen quer durch die Bierpalette und schrecken sogar vor einem Rauchbier, quasi einer geselchten Halben, nicht zurück. Daneben erzeugen sie Limonaden. Die Freistädter Brauer werken ohnehin mitten im innovativsten Braugebiet Mitteleuropas, dem Bierviertel. Erstaunlich ist deshalb, wie wenig grenzübergreifende Zusammenarbeit tatsächlich stattfindet. Da gab’s doch einmal die Idee von der Bierregion im Herzen Europas: Oberösterreich, Bayern, Tschechien. Es wäre jetzt eine gute Zeit, darüber neu nachzudenken.

Leonfeldner Bieranarchisten brauen sich ordentlich was

Vor einem Jahr fanden sich Bierenthusiasten aus Bad Leonfelden zusammen und hoben die „Freibrauer-Loge“ aus der Taufe. Der Verein zählt 14 Mitglieder, die aktiv und privat brauen sowie 40 unterstützende Mitglieder. Gebraut wird mit modernen, mobilen Kleingeräten. Jedes Quartal findet man sich zu einer Verkostung zusammen. Dabei kommen hochinnovative Biere (z. B. mit Süßholz) ins Glas, die es bei Veranstaltungen im Ort zu kosten gibt – oder man wird Logen-Mitglied.
Verkostungsnotiz „Rot-Weiz-Rot“, Nationalfeiertagsbier, gebraut von Günther Böcksteiner: frisch-süffiges, zitronig-grasiges, hopfenstarkes Missing Link zwischen Pils und Weizen.

Info: Andreas Böcksteiner-Eder, 0660/6620 118, boecksteiner@lassy.at, Facebook unter Leonfeldner Freibrauerloge. Bierbrauen auf Bestellung (mind. zwei Monate Vorlaufzeit)

Krumau: Charme der Biergoisie

1560 vom Geschlecht der Rosenberger gegründet, hat die Brauerei Eggenberg in Krumau eine wechselvolle Geschichte: Adelsbesitz, volkseigener Betrieb, heute eine Aktiengesellschaft. Braumeister Rotislav Zagor stellt etliche Sorten (20.000 hl/Jahr) aus heimischen Rohstoffen her, vom leichten Schankbier über helle und dunkle Lagerbiere bis zum seltenen Rauchbier. Unbedingt zu empfehlen ist eine Besichtigung der Brauerei, die ob ihres Alters großen Charme ausstrahlt. Die Speisen im angeschlossenen Restaurant sind von mittlerer Güte, das dort gereichte Zwickelbier allerdings köstlich.
Verkostungsnotiz: Exportbier Krumauer Schlosspils „Petr Vok“: leicht säuerlicher Geruch, frischer Antrunk, voller Malzkörper, massiver Hopfen.

Info: Brauerei Eggenberg, Latrán 27, Krumau. Anmeldung für Führung für Einzelpersonen täglich bis 11 Uhr am Pförtnerhaus oder unter 00420/ 380 711-426 oder -225 sowie pivovar@eggenberg.cz. www.eggenberg.cz

Helles und Dunkles aus dem Hohenfurter Keller

Durstige Radfahrer auf dem Weg ins schöne Moldau-Tal haben die kleine Brauerei Pajzl u Jakuba am Ende des Hauptplatzes von Yyssí Brod (Hohenfurt) längst entdeckt. In der gemütlichen Kellerstube sitzen sie in schreiend bunten Trikots und laben sich an süffigem, weil kohlensäurearmem hellen oder dunklen Bier. Den Betrieb führen die Brüder Jiri und Jaroslav Foitl im Nebenerwerb. Seit 2008 haben sie „offiziell geöffnet“, wie Jiri augenzwinkernd erzählt. Malz und Hopfenpellets beziehen die Brüder aus Tschechien, das Schokomalz für das dunkle Lagerbier kommt aus England. Die jährlich produzierten 500 hl gären in offenen Bottichen und werden nicht pasteurisiert. Auf Wunsch wird Bier in Eineinhalb-Liter-PET-Flaschen frisch abgefüllt. Wer sich näher für die rund 180 tschechischen Kleinbrauereien interessiert: www.pivni.info
Verkostungsnotiz: Helles: sehr süffig, malzbetont, frisch-hopfiger Abgang; Dunkles: sehr süffig, Kaffee- und Schokokörper, dezenter Hopfen.

Info: Hausbrauerei und Bierstube Pajzl u Jakuba, Kaplická 28, Vyssí Brod. Geöffnet: 13 bis 23 Uhr, mit
1. Juli ab 11 Uhr. Kellerlokal, 50 (Raucher-)Sitzplätze. Tel.: 00420/777 280 610, www.vysebrodskypivovar.cz

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