Peter Aigner und Isaias Tavares haben musikalisch Freundschaft geschlossen. Bild: privat
Ein Austauschjahr in Europa, um gute, rhythmische Musik spielen zu lernen? Und das erwartet jemand, der in Recife, einer Großstadt in Brasilien, zu Hause ist, in Österreich? Isaias Tavares nickt aus voller Überzeugung. Der 18-Jährige blickt zufrieden und wehmütig auf sein Auslandsjahr in Österreich zurück. Vor vier Jahren lernte er in seiner brasilianischen Schule die Bratsche lieben. Eine Begegnung als Ausnahmefall: „Bei uns spielt kaum jemand klassische Musik. Wir leben den Salsa und spielen Fußball.“ Ein Klischee? Sicher. „Aber es stimmt. Ein Lehrer hat uns angeboten, die Bratsche auszuprobieren. Das war was für mich. Dann wurde mir ein Schüleraustausch nach Österreich angeboten und weil die musikalische Ausbildung hier besser ist und Möglichkeiten, in einem Orchester zu spielen, größer sind, hab ich zugesagt.“
Eine gute Entscheidung, wie Violine- und Bratschenlehrer Peter Aigner findet. Er hat Isaias, der bei Gastfamilien und im Gymnasium Dr. Schauerstraße in Wels eine österreichische Heimat gefunden hat, unter seine musikalischen Fittiche genommen. „Ich habe nicht gewusst, was auf mich zukommt. Ich habe einfach Noten besorgt und wir haben losgelegt. Isaias hat weder Deutsch noch Englisch gesprochen. So haben wir uns anfangs mit Händen und Füßen verständigt“, sagt Aigner.
Das schweißt zusammen. Die deutsche Sprache hat Isaias in kurzer Zeit zu beherrschen gelernt. Ebenso schnell hat er sich mit musikalischem Talent und brasilianischer Lebensfreude ins Herz der Oberösterreicher gespielt. An Freundschaften mangelt es dem brasilianischen Ausnahmetalent in Österreich nicht. Jugendliche aus dem Symphonieorchester der Stadt Wels, dem OÖ Jugendsymphonieorchester und dem Upper Austrian Sinfonietta wollen Isaias, dessen Jahr in Österreich nun zu Ende geht, würdig verabschieden. Und das geht, wie es Musikern im Blut liegt, mit einem großen Konzert. Sie formen ein Kammerorchester und unterstützen so Isaias, der am 14. Jänner, 11 Uhr, im Welser Herminenhof Werke von G. Ph. Telemann, J. Chr. Bach, M. Reger, D. Schostakowitsch und anderen spielen wird. Wenn Isaias am 16. Jänner nach Brasilien fliegt, macht er das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich freue mich natürlich auf meine Mama. Aber ich weiß, ich komme wieder. Ich möchte an der Bruckner Universität studieren. Die Leute hier sind so sympathisch, immer glücklich und hilfsbereit. Das war das beste Jahr in meinem Leben.“
Matinee 14. Jänner 11 Uhr Musikschule Wels Herminenhof. Eintritt frei(willige Spende)