Peter Aigner präsentiert in St. Marien Kammermusik mit Leidenschaft. Bild: Rosa Frank
Was ist das Faszinierende an Kammermusik?
Aigner: Für mich ist das Spannende an Kammermusik, dass du als einzelner Musiker im Ensemble in jedem Moment des Agierens gefordert bist. Auch als Orchestermusiker ist man gefordert, muss seine Leistung bringen und das umsetzen, was der Dirigent vorgibt. Bei der Kammermusik ist es so, dass im Normalfall schon bei den Proben etwas entsteht. Da können auch im Moment Ideen entstehen und im besten Fall wird ausprobiert bis zum Umfallen. Jeder kann sich einbringen. Im weiteren Bereich ist dann spannend, dass sich die drei oder vier Musiker dann zusammenraufen und die Ideen auf einen gemeinsamen Nenner bringen.
Kann es Demokratie in der Musik geben?
Aigner: Das ist eine schwierige Geschichte. Das heißt, im schlimmsten Fall sind drei Musiker für eine Idee und einer nicht und trotzdem muss der eine mit ins Boot geholt werden. Das Musizieren funktioniert für mich nur, wenn die alle gleichgesinnt diese Ideen umsetzen.
Gelingt das?
Aigner: In den meisten Fällen funktioniert es aufgrund der menschlichen Basis, die man hat. Das Spannende ist, dass auch in lange bestehenden Ensembles immer wieder Neues entsteht, andere Ideen zugelassen werden. Kurz gesagt: Kammermusik lebt immer.
Beschränkt sich Kammermusik auf eine bestimmte Epoche?
Aigner: Gespielt werden kann alles, aber klischeemäßig kann man es zeitlich ungefähr definieren, weil Joseph Haydn das Streichquartett erfunden hat. Aber Kammermusik gab es vorher auch schon, nur in anderen Besetzungen. Die Form der Kammermusik, egal ob vokal oder instrumental, gab es schon immer. Wenn nicht mehr als sieben oder acht Musiker zusammenspielen, könnte man den Überbegriff Kammermusik verwenden. Früher hat es anders geheißen.
Wann hat Sie der Virus der Kammermusik erwischt?
Aigner: Im Normalfall ist es so, dass man das Instrument lernt, dann studiert und zum Solisten ausgebildet wird. Dann wirst du mit dem Virus Orchesterspielen infiziert. Ich habe damals das Glück gehabt, im Jeunesse Orchester unter Franz Welser-Möst spielen zu können. Wenn man von dem Virus, ich will nicht sagen, geheilt ist, aber viel qualitätvolles Musizieren erlebt hat, dann kommt man drauf, dass es etwas anderes auch gibt. Als Streicher ist es relativ einfach, sich mit ein paar Gleichgesinnten zusammenzusetzen und einfach bei einem Glaserl Wein zum Spaß Kammermusik zu spielen. Ist man dann in diese Welt eingetaucht, denkt man sich, dass es schade wäre, wenn man es nicht ausübt. Ich habe das Glück gehabt, dass meine Lehrer an der Hochschule in Wien Kammermusiker waren und mit Leib und Seele Kammermusik gelehrt haben. So habe ich mich sehr damit beschäftigt und gebe mittlerweile vieles auch an meine Schüler weiter.
Wie schwierig ist es, diese Form von Musik den Menschen näherzubringen?
Aigner: Wenn nur drei oder vier Musiker auf der Bühne sitzen und in sehr intimem Rahmen tiefgehende Musikstücke spielen, dann ist es sehr schwierig, die Leute in solche Konzerte zu kriegen. Aber mit Initiativen wie den Kammermusiktagen in St. Marien gelingt es doch, Menschen anzuziehen. Ich hoffe sehr, dass diese Initiative schon ein wenig zu einem Markenzeichen geworden ist, wenngleich der Zwei-Jahres-Rhythmus doch etwas schwierig ist. Trotzdem bleibt mein Wunsch, die Kammermusiktage in St. Marien jedes Jahr zu veranstalten.
Kammermusiktage
Die 3. Internationalen Kammermusiktage St. Marien warten mit zwei Konzerten auf. Am 18. September lautet das Motto „Allegria e Pazzia“. Was frei übersetzt „Fröhlichkeit und Verrücktheit“ heißt, wird von Michaela Reingruber (Saxofon), Wolfgang Bankl (Bass) und Ana Dimova (Klavier) in Szene gesetzt. Am 21. September werden dann Ida Aldrian (Alt), Peter Aigner (Viola) und István Bonyhádi (Klavier) die Frage „Lieben Sie Brahms?“ auf ihre Art beantworten. Die Konzerte beginnen jeweils um 19 Uhr in der Kirche St. Michael in St. Marien. Karten: Tel. 07227 / 8196-0