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Freizeit

Wolf Haas über den Brenner als große Liebe

Am 27. 9. liest Autor Wolf Haas aus seinem neuen Roman über Detektiv Simon Brenner im Linzer Posthof. Vorher klärte "was ist los?" mit ihm, warum sein Ex-Kiberer kultisch verehrt wird und dieser in "Brennerova" eine Frau über das Internet sucht.

Der Brenner als große Liebe

Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Wolf Haas braucht nicht ständig die große Öffentlichkeit. Gibt er aber ein Interview, lässt er keine Frage unbeantwortet.

was ist los? "Brennerova" ist Ihr achtes Buch über Simon Brenner. Wenn Sie ihn in Natura treffen könnten, wie würde er aussehen?

Wolf Haas: In Salzburg, wo ich studiert habe, kannte ich einen, der sehr brennermäßig ausgesehen hat. Aber da Sie den nicht kennen, würde ich sagen, er sieht vielleicht aus wie eine Mischung aus den Schauspielern Harvey Keitel und Hans Brenner. Jedenfalls so, dass ich ihn nicht unbedingt anstänkern würde.

Wie hat sich Ihr Bild vom Brenner im Laufe der Jahre, der Reihe nach verändert?

Einerseits hat sich zu den genannten Personen ein gewisser Josef Hader gesellt. Das war ungefähr zu der Zeit, als der vierte Brenner-Roman "Silentium" erschienen ist, also aus heutiger Sicht bei der Halbzeit. Andererseits verändert sich natürlich alles einfach dadurch, dass man sich selbst verändert. Anfangs hat mich eigentlich nur die Sprache interessiert, mit der Zeit wohl mehr der Brenner selber. Seit ich die Serie mit dem sechsten Roman beendet habe, fühle ich mich sowieso besonders frei, weil Brenner sieben und acht sozusagen Bootlegs sind.

Ein spannendes Thema in "Brennerova" sind Hände. Sie werden abgehackt, gehalten, mit Handschellen gefesselt. Wie betrachten Sie Ihre Hände, immerhin schreiben Sie damit Ihre Gedanken und Ihre Geschichten nieder?

Die eigene Tipperei war tatsächlich der Auslöser, dass dieses Thema für mich so naheliegend war. Mein vorheriges Buch "Verteidigung der Missionarsstellung" endet ja damit, dass ich das Tippen beschreibe. Das wird mir aber erst jetzt bewusst, weil Sie mich das fragen. Es ist ja irgendwie ein interessantes Mysterium, wie etwas Geistiges durch dieses Tastenklimpern vom Hirn des Autors in das Hirn des Lesers transportiert werden kann.

Ein weiteres Thema in "Brennerova" sind Tätowierungen, die ja grotesk sind: Sie sollen ihre Träger unterscheidbar machen, dabei sind sie so vergänglich wie ihr Träger...

Ja das Vergängliche wird natürlich immer dort am offensichtlichsten, wo man Dauerhaftes anstrebt. Es gibt doch kaum etwas Melancholischeres, als wenn man bei einem Flohmarkt auf private Fotos stößt, die offenbar einmal jemand gemacht hat, um etwas festzuhalten, das jetzt keinen mehr interessiert. Bücherschreiben gehört natürlich auch zu diesen rührenden menschlichen Bemühungen, sich ein bisschen festzukrallen.

Apropos "rührende Bemühungen": Wie haben sich die Frauen-Geschichten für "Brennerova" entwickelt? Mit Herta führt Brenner eine Beziehung, Nadeshda findet er im Netz ...

Mein Hauptinteresse galt der Tatsache, dass heutzutage so viele Menschen ihre Beziehungen über das Internet finden. Es war für mich immer schon eine Schwierigkeit, den Brenner, der noch vor der Handy- und Internetzeit als Romandetektiv begonnen hat, früher oder später auch mit diesen Entwicklungen der Zeit zu konfrontieren. Bis er sich eben in diesem Buch sogar eine Internetbekanntschaft sucht. Daran fasziniert mich vor allem das Irreale. In eine Person, die man gar nicht kennt, kann man alles hineinprojizieren.

Die "Brenner"-Reihe wird als Kult verehrt, das "Brennerova" Rezensionsexemplar musste ich fast bewachen. Woher kommt diese Versessenheit?

Es ist echt schade, dass man das Interesse des einzelnen Lesers als Autor gar nicht so direkt mitkriegt. Insofern freu ich mich jetzt zu sehr über Ihre Schilderung, als dass ich noch über eine Erklärung nachdenken könnte. Vielleicht ist es eh so ähnlich wie mit dem Verlieben in unbekannte Bewohner des Internets: Der Erzähler wirft immer so seinen faszinierten Blick auf den Brenner, dass der Blick die eigentliche Realität erzeugt, und obwohl der Brenner so ein Normalo ist, kriegt er etwas leicht Überhöhtes.

Inwiefern wissen Sie, wie es mit Brenner weitergeht?

Ich wusste das noch nie. Beim ersten Brenner wusste ich nicht einmal, ob ich einen Verlag dafür finde. Für den dritten hab ich in der Werbeagentur gekündigt und mir gedacht, ich schreib halt jetzt, bis mir das Geld ausgeht, dann geh' ich wieder arbeiten. Im Prinzip denk ich mir nach jedem Buch, ich schreib nichts mehr, weil es sich wie eine Art von Erschöpfung anfühlt. Irgendwann merk ich gar nicht so richtig, dass ich schon wieder mit was angefangen hab.

Eine andere Frage, die die Zukunft betrifft: Sind E-Books für Sie Freund oder Feind?

E-Books sind einfach eine Tatsache wie das gesamte Internet. Es wird sich sicher einiges dadurch ändern, manches zum Guten, manches zum Schlechten. Ein bisschen froh bin ich schon, dass ich noch ein paar Vor-E-book-Jahre erwischt habe.

Was halten Sie von dem offenen, kritischen Brief deutscher Schriftsteller an Amazon? Haben Sie unterschrieben?

Ich hätte schon unterschrieben, nicht zuletzt, weil mir auch mein amerikanischer Verleger ein paar furchtbare Sachen erzählt hat, wie es in Amerika rundgeht. Es hat mich aber niemand gefragt, weil ich nicht so der vernetzte Typ bin und diese Rundmails nicht kriege. Ein gewisses Phlegma hat sich mein Detektiv wohl bei seinem Autor abgeschaut.

HINTERGRUND

Biographie: Wolf Haas wurde 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer geboren. Er arbeitete zuerst in der Werbung, kündigte aber, als er als Autor immer erfolgreicher wurde. Seine Krimis um Privatdetektiv Simon Brenner erreichten eine Millionenauflage.

Filme: Auf der Leinwand erweckt Josef Hader den Brenner erfolgreich zum Leben – bisher in „Der Knochenmann“ (2009), „Silentium“ (2004) und „Komm, süßer Tod“ (2000). Der neue Brenner-Film „Das ewige Leben“ startet 2015.

Brennerova: Das neueste Buch zur Reihe ist Ende August erschienen. Die Handlung: Der Privatdetektiv ist mit zwei Frauen und einer angeblichen Entführung einer Russin im Wiener Rotlicht-Milieu befasst.

Lesung: Am 27. 9. ist Wolf Haas zu Gast im LiteraturSalon im Linzer Posthof, wo er aus „Brennerova“ lesen wird, 20 Uhr. www.posthof.at, Karten telefonisch (Di. bis Fr., 15 bis 19 Uhr; Tel.: 0732/78 18 00) oder an der Posthof-Kasse (Di. bis Fr., 15 bis 19 Uhr) oder bei den OÖN-Geschäftsstellen Linz, Wels, Steyr (0732/7 805 805)


OÖN-Kritik zu "Brennerova"

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Artikel Nora Bruckmüller 19. September 2014 - 00:04 Uhr
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