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Freizeit

Peter Kraus: Ich habe Milch getrunken, aber Alkohol auch"

Kein Abschied von der Bühne ohne "Zugabe!". Mit seinem gleichnamigen Programm begibt sich Peter Kraus (76) auf Abschiedstour. Am 14. April macht der Musiker und Entertainer auch in der Linzer TipsArena Station.

Ein Seiltänzer seiner Zeit

Bild: VOLKER WEIHBOLD

Er war der Rock’n’Roller und der brave Schwiegersohn in Personalunion. Peter Kraus über seinen Seiltanz in einer anderen Zeit und wie er den Hype um sich erlebt hat.

Erkennen Sie sich auf diesem alten Foto? – Im Hintergrund ist ein Glas Milch, und auf der Rückseite steht: Peter trinkt keinen Alkohol. Stimmt das?

Peter Kraus: Ich habe Milch getrunken, aber Alkohol auch. Es war einfach so, dass ich damals als Idol auch ein Vorbild sein musste und auch wollte. Sie werden selten ein Foto finden, wo ich schlecht gekleidet bin. Es war eine andere Zeit. Rock’n’Roll war etwas Verrücktes, aus Amerika. Ich habe mir einen Spaß draus gemacht, gegen die Erwartungen zu sein. Ich war immer pünktlich bei Interviews, wollte immer sehr charmant sein zu den Damen. Das gehörte einfach dazu. Aus diesem Grund habe ich mir auch nie das Rauchen angewöhnt. Ich muss nicht auf einem Foto mit Zigarette abgebildet sein. Selbst die Beatles waren ja noch sehr brav. Der Bruch kam erst durch die Stones, die gegen die Beatles etwas anderes sein mussten und wollten.

In einer Kritik heißt es: "Für einen deutschen Elvis war er zu brav." Wie ist es Ihnen mit dem Vergleich gegangen?

Es war wie ein Seiltanz. Ich musste auf der einen Seite ein bissl ein Revoluzzer sein, aber auch brav. Elvis hat ja auch nichts anderes gemacht, in seinen Filmen war er auch der nette Schwiegersohn. Ich wollte den Jugendlichen sagen: "Ihr müsst euch frühzeitig überlegen: Was will ich, was interessiert mich am Leben, und das in die Hand nehmen, selbst gegen den Willen der Eltern." Was damals wirklich abgelaufen ist, glaubt man ja heute nicht. Dass man eine Ohrfeige bekommen hat, weil man im Kino war. Mit Rock’n’Roll, dieser Idee und der Musik hätte man damals in Deutschland keinen Erfolg gehabt, das war noch zu wild. Und die Jugend hat auch kein Geld gehabt. Also musste ich auch der liebe Schwiegersohn sein. Der Erfolg ist bombastisch geworden mit den Familienfilmen.

Nach einem Konzert in Graz 1958 mussten Sie mit Polizeischutz ins Hotel gebracht werden. Erinnern Sie sich daran?

Es wurden damals wahnsinnig viele Kids verhaftet, einer hat sich aus Angst vor seinen Eltern in der Zelle erhängt. Das weiß ich noch ganz genau.

Wie haben Sie den Hype um Peter Kraus empfunden?

Damals hieß es noch nicht Hype (lacht). Mein Riesenvorteil war, dass ich aus einer Künstlerfamilie komme. Ich bin im Theater in Salzburg aufgewachsen. Da kriegt man das ganz anders mit. Mein Vater hat am Vormittag Radio gemacht, mittags ist er in die Probe gefahren, in der Nacht hat er indische Lieder in einer Bar gesungen. Er hat gehackelt, und trotzdem waren wir nicht reich. Das war der Grund, warum die Leute, die Karriere gemacht haben, so viel konnten. Sie mussten so vielseitig sein, um überhaupt davon leben zu können. Wenn man das von Kindheit an miterlebt, wie das läuft… Ich bin eigentlich am Boden geblieben. Wenn ich damals Star gespielt hätte – von Bodyguards umgeben, nicht sagen, in welchem Hotel man wohnt –, dann wäre ich weg gewesen. Ich musste als Idol einer von den Kids sein, einer zum Anfassen. Ich bin nach dem Konzert rausgegangen, alleine mit der Gitarre.

1969 haben Sie in einem Film Kaiser Franz Joseph gespielt. In Österreich wurden diese Szenen dann mit Michael Heltau nachgedreht. Was war nicht kaiserlich genug an Ihnen?

Bei eine Szene stand im Drehbuch: "Der Kaiser dreht an seinem Knopf." Da war eine Vase, ich hab die Szene gespielt, der Knopf ist abgerissen, und ich hab ihn in die Vase geworfen. Es gefiel dem Regisseur so gut, dass wir das gelassen haben. Hinterher hat es jemand beanstandet: Unseren Kaiser können wir nicht als Deppen darstellen, der Knöpfe in Vasen wirft. Daraufhin wurde es nachgedreht. Aber ich hab noch einmal eine edle Person gespielt – den Bruder von Johann Strauß (Josef, Anm.) in einem Disney-Film. Walt Disney hat mich empfangen, ganz allein. Und ich hab’ mir gedacht, ich sag’s ihm lieber gleich, dass ich auch ein Rock’n’Roller bin. Sonst kommt er drauf, und es gibt einen Riesenknatsch. Er fand das riesig: "Der deutsche Elvis spielt den Strauß, großartig." Der war genau das Gegenteil.

Ihre neue CD "Das Beste kommt zum Schluss" ist ein Live-Mitschnitt von Ihrer ersten Abschiedstour 2014.

Wir haben 53 Konzerte gespielt, jeden Abend konnte man in der Pause den ersten Teil des Konzerts auf USB-Stick kaufen. Den zweiten Teil konnte man sich dann runterladen. Nach diesen 53 Konzerten haben wir die gelungensten Sachen rausgenommen und eine perfekt abgemischte Doppel-CD gemacht. Von dieser Tournee wird es Vinyl-Platten geben.

Ihr Motto ist: Wer glaubt, etwas zu sein, der kann nichts mehr werden. – Was möchten Sie noch gerne werden?

Eigentlich nur gesund alt. Nicht nur alt, sondern gesund alt. Mehr braucht man nicht.

*****

Zugabe! Nach 60 Bühnenjahren und dem überbordenden Erfolg seiner ersten Abschiedstour 2014 gibt es eine „Zugabe!“, mit der sich Peter Kraus von seinem Publikum verabschiedet – am 14. April, 20 Uhr, auch in der Linzer TipsArena. OÖN-Tickethotline: 0732 / 7805-805 bzw. Vorverkaufsstellen in Linz, Wels, Steyr.

Anfang: Als Peter Siegfried Krausnecker 1939 in München geboren, bekam Peter Kraus als 14-Jähriger seine erste Filmrolle in Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“. Er lernt Gitarre, inspiriert von Bill Haleys „Rock around the Clock“ will er Rock’n’Roller werden.

„Tutti Frutti“ wird sein erster Hit, dem eine Tournee mit Max Greger folgt. Von seinem Song „Wenn Teenager träumen“ (1958) werden mehr als eine Million Singles verkauft. 1959 folgen der Hit „Sugar Baby“, gefolgt von „Mit Siebzehn“, „Kitty Cat“ u. a.

Mit Cornelia Froboess wird er zum Film-Traum-Paar in „Wenn die Conny mit dem Peter“, „Conny und Peter machen Musik“. Mit Christine Kaufmann dreht er „Alle lieben Peter“, spielt im letzten Hans-Albers-Film „Kein Engel so rein“, aber ebenso an den Wiener Kammerspielen.

 

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Artikel Karin Schütze 19. Februar 2016 - 00:04 Uhr
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