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Freizeit

"Die Maschine läuft"

Wie Johann Baumgartner seinen privaten "Upper Austrian Gospel Choir" leitet, hat er Nora Bruckmüller verraten.

"Die Maschine läuft"

105 Frauen und 35 Männer sind Teil des "Upper Austrian Gospel Choir". (privat) Bild:

Gospel ist so tief in der afroamerikanischen Kirchenkultur verwurzelt, wie sakrale Passionen in der österreichischen. Doch, wenn der "Funke" überspringt, kann auch in Oberösterreich ein Gospelchor entstehen. Kein kleiner.

140 Mitglieder hat der vom Linzer Pädagogen Johann Baumgartner 2003 gegründete "Upper Austrian Gospel Choir", der am 7. Oktober in Traunkirchen auftritt. Inspiriert, einen solchen Klangkörper zu formen, haben den 56-Jährigen Gospelchöre während einer USA-Reise. "Was ich gehört habe, war eine Wucht. Ich habe mir dann in den Kopf gesetzt, daheim einen solchen Chorauftritt umzusetzen. Geplant war es als einmalige Sache, aber der Schuss ging nach hinten los", sagt Baumgartner lachend.

Die Auftritte, die den privat geführten Chor gleich ins Brucknerhaus Linz führten, haben die Sänger so begeistert, dass Aufhören nicht zur Debatte stand. Inzwischen hat der Chor 55 Konzerte absolviert. "Das jüngste Mitglied ist um die 13 Jahre alt, das älteste geht auf die 80 zu. Wir haben sogar Sänger aus Salzburg, Niederösterreich und Wien", sagt Baumgartner, den seine Mitstreiter in Anlehnung an die US-Tradition auch "Reverend" ("Pfarrer") nennen.

Geprobt wir einmal pro Monat, und zwar in der Aula von Baumgartners Schule, im Linzer Ramsauergymnasium. "Wenn wir sie nicht nutzen dürften, würde das gar nicht funktionieren. Am Proben-Wochenende arbeiten wir dann sehr intensiv, der Rest ist Heimstudium."

Wer nun glaubt, Baumgartner unterrichte Musik, irrt. Er ist Professor für Religion. "Ich mach’ das quasi im Pfusch", sagt er wieder mit einem Lachen. "Aber die Maschine läuft." Der "Reverend", aufgewachsen in Waizenkirchen, ist Autodidakt, der von Kindheit an sehr viel Musik gemacht hat.

Wie viele Chorleiter steht er vor einer bekannten Herausforderung: "Wir sind 105 Frauen und nur 35 Männer." Aber, ob nun 25 oder schon 30 helle Soprane singen, sei schon nicht mehr von Nachteil. "Von der Lautstärke her bleibt es irgendwann gleich, lediglich der Klang gewinnt eine andere, eigene Qualität. Intensiver, dichter."

Der Chor ziehe Sänger aus allen Berufsgruppen an. "Was sehr gut ist. Denn wird jemandem schlecht? Kein Problem, es sind bestimmt zehn Krankenschwestern da. Ist sich jemand bei der Aussprache unsicher? Kein Problem. Wir haben bestimmt zehn Englischlehrer." Denn gesungen wird natürlich traditionelles US-Liedgut. "Was wir allerdings nicht machen, ist eine Show à la ,Sister Act‘. Es gibt keine Übertreibungen, kein Geklatsche, nur Musik." Ganz im Sinne einer europäisch interpretierten Gospel-Kultur.

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Artikel 29. September 2017 - 00:04 Uhr
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