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Brigitte Schwaigers Blick auf (Ober)österreich

Dem Nachlass der Schriftstellerin widmen sich am 4. Oktober in Linz Schauspielerin Verena Koch und Cellistin Anna Lang.

Brigitte Schwaigers Blick auf (Ober)österreich

Ein Leben mit Höhen und vielen Tiefen: Brigitte Schwaiger Bild: OON

Mit ihrem ersten Roman "Wie kommt das Salz ins Meer" über das Scheitern einer Ehe im bürgerlich-ländlichen Milieu berührte Brigitte Schwaiger 1977 eine breite Leserschaft. Die Schauspielerin Verena Koch und die Musikerin Anna Lang widmen sich nun dem Nachlass der Freistädter Autorin, die sich 2010 das Leben genommen hat.

"Brigitte Schwaiger hat zehn Bücher und sieben Theaterstücke geschrieben, die alle um Linz spielen", sagt Schauspielerin Verena Koch, für die Schwaigers Werk auch eines ist: "Eine andere, weibliche, offene und sehr persönliche Art einer (ober)österreichischen Chronik." Denn: "Ihr sind so viele Dinge passiert, die nur Frauen passieren können."

Ihre ersten 19 Lebensjahre verbrachte Schwaiger in Freistadt, in einem "streng katholischen und antisemitischen Elternhaus". Zwei Semester studierte sie in Wien Psychologie, Germanistik und Romanistik. Mit 19 Jahren heiratete sie einen spanischen Tierarzt und Offizier und lebte in Madrid und auf Mallorca. Koch: "Sie musste einen Mann heiraten, den sie nicht geliebt hat. Das Wort Emanzipation war Lichtjahre entfernt. In den Beziehungen mit Männern war es der Kampf um Augenhöhe, der ihr nicht gelingt."

Die Ehe wurde nach vier Jahren geschieden, Schwaiger kehrte nach Österreich zurück. 1972/73 besuchte sie die Pädagogische Akademie in Linz, trat als Schauspielerin auf und arbeitete als Regieassistentin beim ORF, bevor sie als freie Schriftstellerin zu einer der prominentesten Autorinnen Österreichs wurde.

Hilfe für psychisch Kranke

Ihre letzten Jahre verbrachte die Landeskulturpreisträgerin für Literatur (1984) in der Wiener Nervenheilanstalt Baumgartner-Höhe. Vor diesem Hintergrund verbindet Koch mit dem Abend auch "einen Appell, nicht bei Kriseninterventionszentren einzusparen. Es muss möglich sein, diese Menschen zu unterstützen."

Den musikalischen Part hat die Salzburger Cellistin Anna Lang inne. "Es kommen auch ein paar Zitate vor, die Brigitte Schwaiger gehört hat. Sie hat spanische Musik und die Beatles geliebt", sagt Lang. Auch auf eigene Stücke der Jazzmusikerin und auf ihr Improvisationstalent darf sich das Publikum freuen. (kasch)

Linz, Hofberg 10, Bilderbuch (Fürstelberger), 18.30 Uhr, Karten: 0732 / 77 14 68, bilderbuch@fuerstelberger.at

Büchertipps

Leider sind viele Werke der Autorin vergriffen.

Im Handel erhältliche Tipps:

"Wie kommt das Salz ins Meer?": (Haymon, 2012): In der Ich-Form verfasst, beschreibt der Roman das Scheitern einer Ehe im ländlich-bürgerlichen Milieu, 136 Seiten.

"Fallen lassen": (Czernin, 2012) In ihrem letzten erschienenen Prosaband verarbeitet Schwaiger ihre Erfahrungen in der Psychiatrie, 120 Seiten.

"Wenn Gott tot ist": Im Czernin-Verlag erschienen 2012 Brigitte Schwaigers 2006 verfasste Memorien, 200 Seiten.

Im Cerznin-Verlag erschien 2012 zudem ein Sammelband mit den drei vergriffenen Erzählungen "Lange Abwesenheit" über die Beziehung zum verstorbenen Vater, "Die Galizianerin" über das Thema Holocaust und "Malstunde" über ein Interview mit dem Maler Arnulf Rainer, 312 Seiten.

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Artikel 29. September 2017 - 00:04 Uhr
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