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Verd....! Dieses Eisen hätten wir vor 35 Jahren gebraucht

Honda CB1100 RS: Retro-Vierzylinder dreht die Zeit zurück und recht brav nach oben.

Verd....! Dieses Eisen hätten wir vor 35 Jahren gebraucht

Fescher Nackedei: Honda CB1100 RS, sehr wahrscheinlich die letzte Hommage der Japaner an die Luftkühlung. Bild:

Als einer, der sein 19. Lebensjahr mit und auf großvolumigen Japan-Vierzylindern verbracht und überlebt hat, trieb mir Hondas jüngster Retro-Hobel Tränen in die Augen. Erstens Freudentränen: dieser Anblick, diese Linien, diese Kühlrippen – alles wie vor gut dreißig Jahren. Zweitens Tränen des Ärgers, als ich nach der ersten Runde abstieg: Warum hat Honda dieses Ding nicht schon damals auf die Räder gestellt?

Unsereins erfreute sich schon damals an der Macht der Reihenvierzylinder, am kraftvollen Vortrieb, kaum dass man das Aggregat in lichte Drehzahlhöhen gezwungen hatte. Aber das Fahrwerk der großen alten Japanerinnen war eine Zumutung. Eierte in den Kurven wie Dr. Oetker. Und erst die Anker! Über diese Blechteller wollen wir gnädig den Rauch Amnesie senken.

Wie anders die neue CB1100 RS! Trotz Federbeinen, von denen sich die Geometrie-Evolution längst fortentwickelt hat, flößt das Fahrwerk sofort Vertrauen ein, selbst im Soziusbetrieb. Da stimmt alles, da kommt genug Feedback, da entsteht Freude, auch in langen, schnell durcheilten Kurven. Die Gabel mit der aus dem Rennsport abgeleiteten "Dual Bending Valve"-Technik tut das ihre zur allerfeinsten Straßenlage. Die Bremse mit schlauem (combined) ABS vernichtet Überhangspeed höchst verlässlich, braucht aber zuweilen mehr als zwei Finger.

Die RS als sportliche Variante des Retro-Bikes bekam eine Anti-Hopping-Kupplung spendiert, der Motor wurde ein wenig überarbeitet. Er dreht sauber hoch, bringt schon unten satt Leistung, ohne oben ruckartig zuzulegen. Geschmeidige Laufkultur pur. Nur ganz zarte Vibrationen dringen bis zum Lenker vor.

Im sechsten, als Overdrive ausgelegten Gang keineswegs rabaukig laut über die Landstraßen zu gleiten, ist nicht nur stilvoll, sondern bringt auch Lob von der Holden hinten. So bummelt man bei einem Verbrauch von 5,5 Litern locker und ermüdungsfrei über die 300-km-Grenze, ehe ein Tankstopp fällig wird.

Wobei es schon so ist, dass man öfter absteigen möchte, allein um die Formen der CB zu betrachten. Jedes Einzelteil möchte man loben. Ja, man ertappt sich dabei, den nächsten Urlaub in Japan zu planen, bloß um den Honda-Designern die Hand zu schütteln – und zwei Wünsche persönlich zu überbringen. Den nach einer Traktionskontrolle und nach Speichenrädern wie auf dem Schwestermodell CB1100 EX. Dann heirate ich die reife Japanerin und fahre mit ihr bis in die Pension.

 

Technische Daten

Motor: luft/öl-gekühlter Reihenvierzylinder, 1140 ccm, 66 kW (89 PS) bei 7500 U/min, max. Drehmoment 91 Nm bei 5500 U/min

Kraftübertragung: Anti-Hopping-Kupplung, 6-Gang, Kette

Fahrwerk: Stahldoppelschleifenrahmen, 43-mm-Showa-Gabel, Schwinge mit zwei verstellbaren Federbeinen, Alu-Räder, vorne 310-mm-Doppelscheibe mit Vierkolbenzange, hinten Einzelscheibe, combined ABS

Sonst: Sitzhöhe795 mm, Gewicht (voll) 252 kg, Tankinhalt 16,8 l, Farben Rot, Schwarz

Preis: 15.490

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Artikel Klaus Buttinger 27. August 2017 - 00:04 Uhr
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