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Die Tücke mit den Fahrradschlössern

Die Zahl der Fahrraddiebstähle steigt stetig. Doch was tun? Schlösser sind rasch geknackt, andere Systeme haben ebenfalls Nachteile. Wir geben einen Überblick.

Die Tücke mit den Schlössern

Bügelschlösser schnitten im Test am besten ab. Bild: Stiftung Warentest

"Ich bin dagestanden in voller Radler-Montur, topmotiviert, gleich eine 60-Kilometer-Runde zu drehen. Was nicht da war, war mein Trekking-Bike!" Gerold R. kochte vor Wut: "Das Bike war gestohlen worden – aus unserem Radlkeller." Das Bike der Gattin fehlte ebenso. "Wir hatten beide Fahrräder mit einem 25-Euro-Schloss zusammengehängt. Schließlich standen die Räder im Gemeinschaftsradkeller." Zwei Wochen später war auch das Mountainbike der Tochter aus dem Radlkeller in der Pichlinger Solarcity verschwunden.

Wie dem 42-jährigen Linzer geht’s jedes Jahr Tausenden Oberösterreichern. Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) verschwanden 2013 im Land ob der Enns 3580 Fahrräder (2012: 2670, 2011: 2819). Im gesamten Bundesgebiet wurden 26.652 (24.755/23.227) Fahrraddiebstähle gemeldet. Der Trend ist eindeutig: Von Jahr zu Jahr steigen die Zahlen.

"Was nutzt eine Fahrradcodierung? Nichts, denn das Bike wird eh nie wieder gefunden", sagt Gerold R. "Man muss vor dem Diebstahl etwas machen." Der 42-Jährige hat nun drei "dicke, fette Schlösser um je 80 Euro" gekauft. Für die drei neuen Bikes der Familie. Zudem werden die Fahrräder nur noch in der Wohnung geparkt.

Erschütternde Testergebnisse

Was taugen Fahrradschlösser? Diese Frage beantwortet der Konsumentenschutz der Arbeiterkammer, der sich auf einen Test der deutschen Stiftung Warentest stützt. Das Ergebnis ist erschütternd. Acht Zahlenschlösser (8 bis 36 Euro) wurden ausnahmslos mit der Note "mangelhaft" bewertet. Aber auch teurere Schlösser schnitten nur unwesentlich besser ab. Die meisten Schlösser waren innerhalb von drei Minuten gewaltsam geöffnet. Am schnellsten lassen sich Panzerkabel- und Kettenschlösser knacken – egal, ob mit Nummern- oder Schlüsselschloss versehen. Eine kleine Bolzenschere reicht zumeist aus. Die als diebstahlssicher gepriesenen Faltschlösser entpuppten sich ebenfalls als keineswegs unüberwindbar: Die Gelenke lassen sich rasch aushebeln. In großen Fahrradstädten wie Amsterdam, Kopenhagen oder Berlin sind Bügelschlösser weit verbreitet. Insofern verwundert kaum, dass beim Stiftung-Warentest-Check zwei Bügelschlösser Testsieger wurden: Abus Granit-XPlus 54/160 (ab 60 Euro) und Knog Strongman (ab 75 Euro).

Neue Techniken helfen aber auch bei der Diebstahlsprävention. Auf dem Markt werden Fahrradschlösser mit eingebautem Bewegungsmelder und Sirenenalarm (ab 20 Euro) angeboten. "Da sind selbst billigere Schlösser eine gangbare Alternative, denn hier ist die Abschreckung gut", sagt Oberösterreichs oberster Konsumentenschützer, Georg Rathwallner.

Ortung mit GPS-Empfänger

Erfolgversprechend ist laut Rathwallner auch ein System, das im Sommer auf den Markt kommt. Das neuartige Schloss mit Sensoren und Sirenensignal (120 Dezibel) widerstand sämtlichen Sägen, Bolzenscheren und Bohrern. Der Biker wird zudem per Smartphone vom Diebstahlsversuch verständigt. Den Strom liefert ein Akku, der beim Fahren aufgeladen wird. Ver- und entriegelt wird das Schloss über einen eingebauten Touchscreen oder das Smartphone. Im Schloss befindet sich ein GPS-Empfänger, der eine Ortung des Fahrrades per Smartphone zulässt. Voraussichtlicher Preis: 179 bis 200 Euro.

Ist das Bike gestohlen, helfen andere Systeme beim Wiederauffinden. Entsprechende GPS-Tracker-gestützte Sicherungen mit Bewegungsalarm ans Handy sind bereits ab rund 170 Euro und einer monatlichen Servicegebühr erhältlich und stellen zu guten Bügelschlössern eine wichtige Ergänzung für hochwertige Räder dar.

Sinnvoll ist auch die Anmeldung beim Registrierungssystem www.fase24.eu, die beim Fachhandel durchgeführt werden muss. Dabei werden Rahmennummern eingetragen (Preis: einmalig 8 Euro). Wird das Bike gestohlen und dann irgendwann sichergestellt, ist der Eigentümer rasch ermittelt. Allerdings: Im Vorjahr wurden nur 7,6 Prozent der Fahrraddiebstähle in Oberösterreich aufgeklärt.

Versicherungen im Vergleich

Versichern beruhigt – aber auch bei Fahrrädern? Die Konsumentenschützer fragten nach und ermittelten Jahresprämien zwischen 87 und 130 Euro für ein 1000-Euro-Fahrrad. Günstigster Anbieter war Zürich connect mit einer einmaligen Drei-Jahres-Prämie von 260,99 Euro und einem Selbstbehalt von 75 Euro. Bei einer Vertragslaufzeit von nur einem Jahr hat die Grazer Wechselseitige Versicherung die Nase vorne. Vereine wie ARGUS, ÖAMTC und VCÖ (auch für Nichtmitglieder) bieten ebenfalls Fahrradversicherungen an. "Ich hab von meiner Versicherung das Geld für die drei gestohlenen Bikes erhalten", erzählt Gerold R. "Wichtig war, dass die Fahrräder aus einem abgeschlossenen Keller verschwunden sind. Drum war’s offiziell ein Einbruch, kein Diebstahl!" Ein kleiner, oft aber entscheidender Unterschied.

Tipps des AK-Konsumentenschutzes

Notieren Sie sich Ihre Fahrradnummer (befindet sich meist auf der Unterseite des Fahrrads bei der Kurbel). Mit dieser Nummer können Fahrräder zur Fahndung ausgeschrieben werden.

Durch die Registrierung Ihres Fahrrades beispielsweise bei fase24 kann Ihr Rad im Erfolgsfall zugeordnet werden. Die Kooperationspartner (Fahrradhändler, ÖAMTC, …) und weitere Informationen dazu finden Sie unter www.fase24.eu.

Sichern Sie Ihr Fahrrad mit einem massiven Bügel-, Faltbügel- oder Panzerkabelschoss und umschließen Sie den Rahmen an einem fest verankerten Gegenstand oder Fahrradständer!

Auch in Gemeinschaftsräumen in Ihrem Wohnhaus (z.B. Fahrradkeller, Stiegenhaus) und am versicherten Grundstück muss das Fahrrad abgesperrt sein!

Stellen Sie Ihr Fahrrad an hellen, stark frequentierten und einsehbaren Plätzen ab. Wenn möglich, verwahren Sie es in geschlossenen und abgesperrten Räumen.

Erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherungsberater, ob und in welcher Höhe ein Diebstahl Ihres Fahrrads im Rahmen der Haushaltsversicherung abgedeckt ist.

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Artikel Carsten Hebestreit 20. Mai 2014 - 00:04 Uhr
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