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"Der Konsument wird zu 99 Prozent nicht verstehen, was da passiert"

Skoda-Chef Max Egger über die Umstellung auf den neuen Spritverbrauchszyklus.

"Der Konsument wird zu 99 Prozent nicht verstehen, was da passiert"

Max Egger: „Die NoVA wird sich auch jetzt schon etwas erhöhen“ Bild:

Ab 1. September 2017 startet die Umstellungsphase vom NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) hin zum WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure). Damit sollen die offiziellen Spritverbräuche an die Realität herangerückt werden. Das freut vorab erst einmal den Finanzminister, der höhere Einnahmen aus der NoVA erwarten darf. Die Auto-Importeure hingegen schwitzen, weil ab diesem Datum extreme Schwierigkeiten anfangen. Fazit: Kein Händler wird seinem Kunden bei Vertragsunterzeichnung sagen können, wie viel das Auto exakt kosten wird. Wir sprachen mit Skoda Österreich-Geschäftsführer Max Egger.

 

OÖN: Wie wirkt sich die Umstellung konkret aus?

Egger: Die neue Berechnungsmethode WLTP wird vor allem kleinvolumige Motoren benachteiligen. Das heißt, die soziale Verträglichkeit – günstiger Anschaffungspreis – wird weiter belastet. Weil beispielsweise für kleinvolumige Benzinmotoren Katalysatoren eingebaut werden müssen und gleichzeitig der NoVA-Anteil ansteigen wird. Letzteres wird eine große Hürde für niedrige Einstiegspreise beim Neuwagenverkauf. Das wiederum fördert sicherlich den Gebrauchtwagenmarkt sowie möglicherweise die E-Mobilität, sofern wir’s schaffen, die Preise für E-Modelle unter 30.000 Euro anbieten zu können.

Wie wird sich der WLTP auf die großvolumigen Verbrenner auswirken?

Bei unseren Simulationen zeigte sich eindeutig ein Vorteil für großvolumige Hubräume. Darum haben wir in unseren Planungen wieder die hubraumstarken Motoren mit drin.

Und die Hybrid-Modelle?

Die Hybrid-Antriebe werden ja derzeit noch bei der Besteuerung (0 Prozent NoVA, Anm.) bevorteilt, nach unserer Berechnung wird sich aber dieser finanzielle Vorteil nach dem 1. September halbieren.

Wird der finanzielle Unterschied zwischen Benzin- und Dieselmotoren gleichbleiben?

Der preisliche Unterschied beim Ankauf wird sich verkleinern, denn wir werden künftig durch die strengeren Abgasvorschriften mehr Abgastechnik in die Benziner stecken müssen. Das bedeutet, dass Benziner teurer werden. Zudem wird die NoVA für diese Motoren ansteigen.

Können Sie Zahlen nennen?

Gehen wir von 500 bis 1000 Euro für die zusätzliche Abgastechnik aus und von zwei bis vier Prozent mehr NoVA, dann reden wir hier von einem 1000 bis 2000 Euro höheren Endpreis für ein Auto.

Welche Faktoren werden bei der Neuberechnung herangezogen?

Wir haben Berechnungen angefertigt, von denen sich die Preise für einzelne Automodelle herleiten lassen. Die großen Faktoren dabei sind natürlich Gewicht, Luftwiderstand, Rollwiderstand etc. Diese Parameter werden in dieser Berechnung simuliert. Unsere ersten Erfahrungen: Jedes Modell, das aus der Produktion kommt, kann einen anderen Preis haben. Es kann sogar soweit gehen, dass zwei identische Modelle zwei verschiedene Preise haben, weil bei dem einen das Glasdach um fünf Kilogramm schwerer ist. Liegt man dann mit dem Gewicht über der nächsten Stufe drüber, steigt letztendlich der NoVA-Anteil automatisch an.

Ist dies nur ein österreichisches Phänomen?

WLTP soll ja bis 2020 in allen Ländern weltweit eingeführt werden, in Österreich ist’s deshalb so ein großes Thema, weil die NoVA dranhängt. In Deutschland hat beispielsweise ein anderer CO2-Wert keinerlei Auswirkungen. Bei uns hingegen wird die Problematik sein, dass wir dem Kunden ein Auto verkaufen, von dem weder wir noch der Kunde weiß, wieviel NoVA er am Tag der Auslieferung zahlen wird müssen. Die Lösung für dieses Problem müssen wir uns überlegen, denn der Staat hat keine.

Wann wissen Sie, welcher NoVA-Wert exakt für einen Neuwagen gilt?

Wir berechnen für den Kaufvertrag einen NoVA-Wert. Und dieser Wert muss, wenn wir bei der Auslieferung die genauen Autodaten haben, neu berechnet werden. Das ist ein irrer administrativer Aufwand und eine Fehlerquelle, die man kaum kontrollieren kann.

Wie schaut’s mit den Real-Verbrauchs-Werten aus?

Die Autos, die nach WLTP-Zyklus gemessen wurden, werden dann noch einmal mittels Real-Tests (RDE – Real-Driving-Emissions) kontrolliert. Wenn diese Werte voneinander abweichen, gibt’s Nachtests. Wenn dieser Test eine größere Toleranz ergibt, ist die ursprüngliche Homologation nicht mehr gültig und der neue Wert wird aus einem Mix zwischen WLTP und RDE errechnet. Der Konsument wird zu 99 Prozent nicht verstehen, was da passiert. Und politisch ist ein solches Vorgehen ein Wahnsinn, den Leuten Geld für etwas wegzunehmen, das sie nicht einmal nachvollziehen können. Bei Skoda war unsere Maxime immer, dass der Kunde weiß, wieviel er zahlen muss, bevor er in die Werkstatt fährt. Das ist hier nicht mehr der Fall.

Die Regierung hat zugesichert, dass bis 2020 der NEFZ als Berechnungsmethode für die NoVA herangezogen wird.

Ab September werden die Verbräuche nach WLTP ermittelt und auf NEFZ zurückgerechnet. Weil der Ausgangspunkt ein höherer ist (WLTP, Anm.), wird sich auch die NoVA schon jetzt etwas erhöhen.

Durch den Umstieg auf die E-Mobilität entgeht dem Staat ja viel Geld – NoVA, MöST etc.

Sobald 20, 25 Prozent der Autos mit E-Antrieb fahren, wird sich der Staat wohl um eine Nivellierung kümmern.

Wie wird sich der Wechsel hin zur E-Mobilität auf den Gebrauchtwagenmarkt auswirken?

Der Gebrauchtwagenmarkt wird interessanter, weil das Fahren mit einem Gebrauchtwagen im Gegensatz zu Neuwagen wirtschaftlicher ist. In Österreich ist ja die Zweitnutzung zum Beispiel von Leasing-Autos noch nicht sehr weit verbreitet. Das wird sich ändern. Und der Gebrauchtwagenmarkt wird auch internationaler.

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Artikel Carsten Hebestreit 15. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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