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Der Kleine, die riesige Rarität

Zwei Sipbachzeller holten den einzigen Puch 650 TR zurück, der in die USA exportiert worden ist – "Da waren sogar noch alle Papiere im Auto!"

Der Kleine, die riesige Rarität

Der Stolz der Familie: Daniel (26), Laurenz (16) und Vater Ewald Platzer (55) mit dem Puch 650 TR Bild: Spitzbart

Anfang der 1990er-Jahre stand der erste 500er plötzlich da. Gekauft von Ewald Platzer, einem Autolackierer aus Sipbachzell. "Ich habe gleich begonnen, den Puch zu restaurieren", sagt der heute 55-Jährige. Kinder, Hausbau – der Kult-Kombi sollte dann erst 1999 fertig sein. "Ich bin dann gleich mit der Familie auf den Großglockner gefahren", erzählt er. Wohlgemerkt: Die erste Steyr-Puch-500-Generation leistete 16 PS. Mit dabei war auch Sohn Daniel, heute 26. "So bin ich in die Sache mit den Puchs hineingewachsen", sagt der gelernte Autospengler. Kurze Zeit später las Papa Platzer eine Kleinanzeige: Puch 700 Kombi. "Der Wagen hat eine Besonderheit: Er ist an meinem Geburtstag produziert worden!" Am 27. März 1963. "Wir haben den 700er komplett zerlegt und wiederaufgebaut."

Der Kleine, die riesige Rarität

Sehr dünnes Blech

Das Blech ist nur 0,8 Millimeter dünn und die Karosserie selbsttragend. Verwindungssteif sieht anders aus. "Moderne Türen sind angeschraubt", sagt Daniel. "Darum kann man sie in den Rahmen einpassen." Damit die Spaltmaße passen. Beim Puch sind sie angeschweißt. Nachjustieren? Fehlanzeige! "Darum muss beim Aufbau der Karosserie exakt gearbeitet werden." Und dann wäre da noch die Sache mit dem Rost. Vorderachse, Blattfeder, Querlenker, Lenkung, Pedalerie: Vorne stoßen verschiedene Bleche und Metalle aufeinander. Ewald Platzer spricht vom "Kern des Fahrzeugs". "Hier muss wirklich alles passen."

2009 rollte Puch Nummer drei in die Platzer-Garage: Baujahr 1957, die erste Serie. "Davon wurden nur 1050 Stück gebaut", sagt der 26-Jährige. "Blechmäßig ist er fertig", sagt Daniel.

Der Kleine, die riesige Rarität

Via Facebook gefunden

Anfang Februar las der Autospengler auf Facebook von einem Puch 650 TR aus den USA. "Ich habe die halbe Nacht mit dem Verkäufer hin- und hergeschrieben", sagt Daniel. Der Erstbesitzer war gestorben, ein Antiquitätenhändler hatte den Verkauf übernommen. Zwei Tage später haben die Platzers die Rarität gekauft, zwölf Wochen später war der Kleine importiert. "Wir hatten riesiges Glück, denn da waren auch Interessenten aus Deutschland, Spanien, Portugal und Italien dran."

Der Kleine, die riesige Rarität

Nur ein Exemplar sei in den sechziger Jahren in die USA exportiert worden. Der Besitzer aus Springfield (Illinois) hat akribisch Fahrtenbuch geführt und nur 64.000 Kilometer auf den Tacho gefahren. "Da ist nichts verbastelt", sagt Ewald. Die Platzers haben den Kult-Knirps konserviert, denn restauriert wird später – wenn die anderen Puch-Projekte abgeschlossen sind.

 

Puch 650 TR

Hatten die ursprünglichen Puch 500 16 bzw. 19,8 PS, rollten von 1964 bis 1966 650-TR-Modelle vom Band. Mit 81 Millimeter Bohrung (500er: 70 mm) leistete der 2-Zylinder-Boxer mit dem 32-Millimeter-Doppelvergaser 30 PS. Statt 120 km/h standen 160 km/h auf dem Tacho. Eine Besonderheit ist die elektrische Benzinpumpe. Üblich war eine mechanische Pumpe. Verbaut wurden mehrere Stabilisatoren und größere Bremstrommeln vorne.

 

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Artikel Carsten Hebestreit 12. Mai 2018 - 00:04 Uhr
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