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Lautlos am Linzer Stau vorbei

45 PS genügen für das 127-Kilo-Bike, um in vier Sekunden von 0 auf Tempo 100 zu beschleunigen. Bild: Weihbold

Lautlos am Linzer Stau vorbei

Ernst Zehetner kaufte sich eine E-Enduro in Deutschland: Über seine Erfahrungen mit der komplizierten Einfuhr, dem Motorrad selbst und verdutzten Autofahrern.

Von Carsten Hebestreit, 15. April 2017 - 00:04 Uhr

Die Leidenschaft erwachte früh. Schon als Schüler bastelte der Puchenauer im Keller seines Elternhauses an Modellflugzeugen. Heute steigt der 52-Jährige regelmäßig in die großen Originale ein und betrachtet Linz von oben. Aber da wäre auch noch das Motorradfahren, ein weiteres Hobby des ehemaligen Aloisianum-Schülers. Zuerst die legendäre Yamaha XT 500, dann eine Yamaha TT 600. Wichtig war: ein Zylinder, ein Dampfhammer musste es sein. Viel Drehmoment, viel Beschleunigung aus jenem Drehzahlbereich, in dem andere Bikes nicht recht auf Touren kommen wollen.

Mit dem Bike durch Libyen

"Ich war drei Mal in Tunesien und ein Mal in Libyen", erzählt der HTL-Lehrer. Mit Biker-Kumpels bereiste er die nordafrikanische Sahara. "Ein unvergleichliches Abenteuer", erzählt der Puchenauer im OÖN-Gespräch. Die Dünen, der weiche Sand, überall ausgebrannte Wracks und dann die "total netten, gastfreundlichen Leute". 100 US-Dollar hat Ernst Zehetner in einem Monat Libyen ausgegeben. "Ein Liter Sprit hat damals 50 Groschen gekostet." Umgerechnet 3,6 Euro-Cent.

Lautlos am Linzer Stau vorbei
Die Kommandozentrale  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Die Kommandozentrale

 

E-Antriebe lernte der Puchenauer im Modellbau schätzen. Klein, strapazierfähig, unkompliziert. Als die Linz AG 100 E-Roller um einen Bettel abgab, war der gelernte Bauingenieur einer der Auserwählten. "Ich bin dann ein Jahr lang damit in die Arbeit gefahren", schwärmt er. Irgendwann stieß der begnadete Bastler auf E-Roller aus chinesischer Produktion. Die Konstruktion sei katastrophal, die Idee dahinter aber faszinierend gewesen. Und die Beschleunigung auch. Aus zwei mach eins: "Ich hab einen Roller als Ersatzteillieferant ausgeschlachtet." Billig waren die dynamisch designten Zweiräder aus dem fernen Land jedenfalls gewesen. Und 18.000 Kilometer gehalten hat auch ein Exemplar – dank des baugleichen Ersatzteil-Lieferanten.

Aus Deutschland importiert

Vor knapp mehr als zwei Jahren entdeckte der gelernte Bauingenieur eine Elektro-Enduro. Der Name: Zero FX. "Ich hab das Teil in Deutschland gekauft und offiziell eingeführt." Der Zoll sei ein wenig überfordert gewesen. Ein Motorrad mit E-Antrieb – ja gibt’s denn des? "Zum Schluss hab ich den deutschen Händler und unser Finanzamt kurzgeschlossen. Die haben’s dann unter sich ausgemacht, wie viel ich zahlen muss." Seither ist Ernst Zehetner völlig elektrisiert. "Die Zero ist der Stadtverkehrsrenner schlechthin", sagt er.

Lautlos am Linzer Stau vorbei
Der Akku liegt tief unten.  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Der Akku liegt tief unten.

 

127 Kilogramm leicht, 45 Elektro-PS, 95 Newtonmeter. "In vier Sekunden ist das Bike von 0 auf 100 km/h", erzählt der 52-Jährige. Und: "Die Kombination aus lautlos und drehmomentstark ist ein Hammer." "Mit der Zero bin ich längst an den Autos vorbei, da merken die Lenker erst, dass sie eben überholt worden sind." Fazit: "Ich bin längst weg, wenn sich die Autofahrer zu ärgern beginnen."

Langsamer bei Minusgraden

138 Kilometer pro Stunde schnell ist das E-Motorrad – zumindest laut Werksangabe. In der Praxis drosselt das Steuergerät das Bike, wenn überproportional Strom verbraucht werden würde. "Manchmal, wenn’s beispielsweise Minusgrade hat, läuft die Zero nur maximal 100 km/h." Im Energie fressenden Sport-Modus kommt Zehetner "so um die 55 Kilometer weit", im Eco-Mode "locker über 100 Kilometer".

Lautlos am Linzer Stau vorbei
Versteckt: der E-Motor  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Versteckt: der E-Motor

 

Der 5,7-kWh-Akku ist nach acht Stunden an der Haushaltssteckdose zu 100 Prozent aufgeladen. "Das kostet mich ein paar Cent", sagt er. 16.000 Stadtkilometer legte der Puchenauer in nur zwei Jahren zurück. Bei Sonnenschein wie bei Schneefall.

"Das E-Motorrad ist am Gasgriff richtig feinfühlig regelbar", sagt der 52-Jährige. In den Kurven mit ein wenig Schlupf – alles kein Problem. Nur "aus dem Stand, da hupft es weg, unvermutet, mit unglaublichem Schub". Das Standgas fehlt logischerweise. Stürze? "Im Gelände, aber nicht auf der Straße." Da hat Ernst Zehetner seine Zero voll im Griff.

 

E-Motorrad Zero FX

Der 52-jährige Puchenauer kaufte die Zero FX bei einem Händler in Nürnberg um 10.900 Euro. Der E-Motor leistet 45 PS bzw. 95 Newtonmeter maximales Drehmoment. Der Akku speichert 5,7 Kilowattstunden (kWh), geladen wird das E-Motorrad mit einer 650-Watt-Ladestation an der Haushaltssteckdose. „Bis die Batterie voll ist, dauert’s acht Stunden“, sagt Zehetner. Die Reichweite liegt laut Werk bei 113 Kilometer.
Die Kraft wird mit einem Riemen vom E-Motor an das Hinterrad übertragen. „Damit ist die Zero nicht geländetauglich, weil der Riemen schmutzempfindlich ist“, sagt der HTL-Lehrer.

 

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