E-Mobilität

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"Für uns erfüllt sich gerade ein richtiger Traum"

Markus Kreisel: "Das ist das lukrativste Geschäft!" Bild: Porsche Holding

"Für uns erfüllt sich gerade ein richtiger Traum"

Markus Kreisel, der Sprecher der drei Freistädter Batterie-Brüder, über Eigenentwicklungen und Visionen.

Von Carsten Hebestreit, 04. Februar 2017 - 00:05 Uhr

Eben erst übergaben Johann (40), Markus (38) und Philipp (28) Kreisel einen von ihnen auf E-Antrieb umgerüsteten Mercedes G an Arnold Schwarzenegger. Was steckt hinter dem Erfolg der drei Batterie-Brüder? Wir fragten bei Markus Kreisel nach.

 

OÖN: Erleben Sie mit Ihren beiden Brüdern gerade einen Traum – vom Garagenprojekt zu einem globalen Unternehmen?

Markus Kreisel: Eher einen Alptraum (lacht). Denn wir haben so viele Anfragen, so viele Projekte, dass unsere Zeit knapp wird. Wir haben zwar mit vielen Aufträgen gerechnet, denn wir haben eine Hammer-Technologie, aber nicht in diesem Ausmaß. Es gibt viele gute Firmen, aber anscheinend haben nur wir die Lösung. Eigentlich müsste es Hunderte Unternehmen wie unseres geben. Und, ja, für uns ist’s gerade wie in einem Traum, wenn man so wertgeschätzt wird. Aber andererseits ist’s natürlich auch sehr anstrengend.

Aber warum schafft ein kleines, Freistädter Unternehmen, was Weltkonzerne nicht schaffen?

Es ist wie ein Kreislauf: Wir als kleines, flexibles Unternehmen haben in einer Garage angefangen. Medien berichten über uns, gibt man bei Google "Batterien" oder "Elektromobilität" ein, landet man schnell bei uns. Sehr oft folgt der erste Kontakt, das erste Gespräch, bei dem die Leute merken: Da steckt viel Kompetenz dahinter – nicht nur auf Batterieebene, sondern auch bei der Integration der Ladetechnik, der Antriebs-Software-Lösungen usw.

Der Einstieg in die E-Mobilität basierte aber auf dem Umrüsten von Verbrenner-Autos …

Mittlerweile sind wir vom Umrüsten abgekommen, denn ein Fahrzeug umbauen ist die eine Sache, die Haftung dafür zu übernehmen, die andere. Bei einer Umrüstung entstehen derart hohe Kosten, die kann kein einzelner Kunde tragen. Das haben wir zwischen 2012 und 2014 gelernt. Darum fertigen wir nicht mehr für Privatkunden, sondern nur noch für Industriekunden. Inzwischen haben wir drei Bereiche – Erstens: Wir entwickeln eine Batterielösung oder einen Antriebsstrang, die wir auch in Kleinserien bis 10.000 Stück liefern können. Zweitens: Wir haben, um unabhängig von Projektaufträgen zu sein, Eigenprodukte entworfen: Energiespeicher. Also zum Beispiel die Ladesäule für E-Fahrzeuge, die von der Porsche-Holding vertrieben werden. Und der dritte Bereich sind die großen Industriekunden, also die Fahrzeughersteller (OEM). Da bieten wir die Unterstützung bei der Entwicklung an, wollen den Kunden aber nicht beliefern. Das ist ein typisches Lizenzgeschäft.

Um welche Produkte handelt es sich dabei konkret?

Zumeist unsere selbst entwickelten Batterien, denn E-Motoren kaufen wir selbst zu. Der Hersteller kümmert sich dann selbst um die Produktion von 100.000 oder auch eine Millionen Batterien.

Was wird in Eurem Werk, das ja im Juni öffnen wird, in Rainbach bei Freistadt produziert?

Dort fertigen wir Kleinserien zum Beispiel für Motorboote. 200 bis 300 Stück Batterien, mehr nicht. Oder, anderes Beispiel: Wir haben für das holländische Unternehmen VDL einen Transporter entwickelt, für den wir ab 2018 dann auch die Batterien liefern. Das werden auch etwa 500 bis 1000 Stück pro Jahr. Und auf diese Art haben wir viele Kunden. Das ist das lukrativste Geschäft.

Wie läuft’s mit den Eigenentwicklungen?

Aktuell unterstützen wir drei deutsche Premium-Auto-Hersteller bei ihren Entwicklungen, ebenso US-Unternehmen, die völlig neue Modelle entwerfen. Und ja, auch in Asien sind wir aktiv.

Wie schnell schreitet die Batterietechnologie voran?

Unfassbar schnell. Echt unglaublich, was da gerade passiert. Dieser Tage habe ich mit einem US-Institut telefoniert, das Zellen entworfen hat, die 40 Prozent mehr Energie speichern als der derzeit beste Akku. Ein deutscher Anbieter wird diese Akkus produzieren, wir liefern die Fertigungstechnologie.

Was unterscheidet die Kreisel-Akkus von anderen Energiespeichern?

Es gibt drei Zellenformen, wir verwenden die zylindrische, die genormt ist und die höchste Energiedichte aufweist. Und von LG, Samsung und all den anderen Herstellern problemlos produziert werden kann. Wir fassen diese Rundzellen zu Akku-Packs zusammen. Beim Betrieb ist die gleichbleibende Temperatur von etwa 25 Grad am wichtigsten. Bei uns werden alle Zellen aktiv von einer Spezialflüssigkeit umspült und so auf Temperatur gehalten. Diese Flüssigkeit ist nicht-leitend und nicht-brennbar. Wir brauchen daher keine Kühler etc., das spart alles Platz. Und wenn man – wie bei Tests vorgeschrieben – einen Nagel in einen Akku-Pack schießt, da löscht die Flüssigkeit automatisch die Zelle.

Wieviel mehr Leistung holt Ihr aus einem Akku-Pack als Mitbewerber?

Um etwa zehn Prozent mehr nutzbare Energie. Bei einem Tesla-Akku-Pack (680 kg, Anm.) wären dies 118 Kilowattstunden (kWh).

Apropos Tesla: Gibt’s einen Austausch Tesla/Kreisel?

Wir hatten Kontakt, wir haben Tesla besucht. Deren Technologie funktioniert. Aber Tesla ist kein Kunde von uns.

Drei Brüder: Wer macht was?

Ich mache das Kaufmännische und das Marketing. Johann ist der Elektroniker – Produktion, Elektrik etc. Und Philipp hat die Konstruktion, Entwicklung über.

Ihr ward ja mit Eurem Red-Zac-Markt in Freistadt gut im Geschäft. Warum der Schwenk in die Autoindustrie?

Als wir so 16 bis 18 Jahre alt waren, haben wir Subwoofer etc. in Autos eingebaut. Und waren in dieser Disziplin Staats-, Europa- und Weltmeister. Damals mussten wir auch Spezialbatterien und HiFi-Verstärker einbauen. Diese Verstärker sind gleich aufgebaut wie Inverter von E-Fahrzeugen. Als sich unser Vater Johann 2012 ein Elektro-Auto gekauft hat, haben wir’s uns genauer angeschaut. Da haben wir bemerkt: So schwer ist das gar nicht. Und haben einen Audi A2 umgebaut. Das war der Anfang.

Der Knackpunkt bei der E-Mobilität sind die Ladezeiten und die Reichweiten. Warum weicht die reale Kilometerleistung so von der Normangabe ab?

Wenn die Hersteller 80 Kilometer in die Prospekte schreiben, ist das Auto uninteressant für Endkunden. Wenn dann aber 180 Kilometer stehen, kann der Anbieter sagen: Möglich ist’s so weit zu fahren. Wir haben einen E-Golf mit 55 kWh-Akku, den fahre ich auch teilweise mit 13 kWh Verbrauch. Da komme ich dann 420 Kilometer weit.

Ist die E-Mobilität der Weisheit letzter Schluss?

Alle drei Energiearten – Benzin, Diesel und Elektro – haben ihre Daseinsberechtigung. Wenn aber der E-Golf eine Reichweite von 400 Kilometern hat, in 20 Minuten voll geladen ist und 25.000 bis 30.000 Euro kostet. Wer kauft sich dann noch einen anderen Antrieb? Ein Elektro-Auto macht Spaß, ich kann daheim laden, ich hab weniger Servicekosten, es ist günstiger. Kurzum: 2020 wird all dies so sein.

 

Drei Freistädter elektrisieren Arnold Schwarzenegger

Kreisel Electric

Auf 6000 Quadratmeter bauen die drei Brüder Johann, Markus und Philipp Kreisel in Rainbach eine Batteriefabrik. Im April möchten die Freistädter mit ihren 42 Mitarbeitern übersiedeln, im Juni soll Eröffnung gefeiert werden. Markus Kreisel rechnet zu diesem Zeitpunkt mit 80 Mitarbeitern, in einem Jahr mit insgesamt 150 Beschäftigten. Gefertigt werden sollen Batterien in Kleinserie mit bis zu einer Kapazität von 1,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

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