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Stadt, Land, Energiefluss

VW und der Golf-Strom – Der Volkswagen E-Golf im Praxistest: Willkommen im Alltag, aber im Urlaub könnte es eng werden.

Stadt, Land, Energiefluss

Nur kleine optische Retuschen wie die blaue Frontlinie outen diesen Golf als E-Mobil Bild: Volkswagen

Um Segen oder Fluch der elektrischen Mobilität tobt vor allem in den Online-Foren ein Glaubenskrieg. An diesem werden wir uns hier nicht beteiligen. Der VW Golf mit dem E-Antrieb wurde in erster Linie in Hinblick auf seine Alltagstauglichkeit getestet. Seine Öko-Bilanz, die auf den ersten Blick sehr sauber ausschaut und von Vater Staat mit einem süßen Steuerzuckerl samt Ankaufprämie belohnt wird, wollen wir nicht bis in das letzte Detail durchleuchten.

Der Volkswagen-Konzern ist relativ spät auf die Stromlinie eingebogen. Man verzichtete darauf, eigene E-Modelle im futuristischen Design in die Schauräume zu rollen, sondern rüstete einfach die bekannten Modelle Up und Golf auf den alternativen Antrieb um. Gegen einen BMW i3 oder sogar einen Renault Zoe schaut der E-Golf fast ein bisschen fad beziehungsweise "normal" aus. Dass dieses Auto mit Strom fährt, checken eher nur die Insider. Unwissende Passanten wundern sich über das lautlose Dahinrollen dieses Volkswagens und prüfen, wenn vorhanden, die Batterie ihrer Hörgeräte.

Stadt, Land, Energiefluss

Am flottesten geht es an der Schnelllade-Tankstelle (ca. 50 Minuten)

Die Autobahn frisst die Batterie

Apropos Batterie: Das aktuelle Up-date des E-Golf hat die Dimension des Stromspeichers auf 35,8 Kilowattstunden erweitert. Die Leistung kletterte auf 136 PS, das Drehmoment auf 290 Newtonmeter. Der Aktionsradius vergrößerte sich im Prospekt auf 300 Kilometer, umgerechnet auf die Fahrpraxis sind das gut 200 Kilometer. Bei der erlaubten Autobahn-Höchstgeschwindigkeit ist es noch weniger. Das bedeutet, im Pendleralltag ist der E-Golf ein sehr verlässlicher Mobilitätspartner (noch dazu, wenn man wie die OÖN jetzt über eine hochmoderne Tiefgarage mit genügend Anschlüssen für E-Autos verfügt). Wer abseits der Stadt Landpartien plant, muss die Augen nach Energieflüssen offen halten, die man anzapfen kann.

Im Kofferraum des E-Golf gibt es für diese Übung mehrere Varianten von Steckern und Ladekabeln. Das Stromtanken ist per Schukostecker für die Haushaltssteckdose (dauert die Ewigkeit von 17 Stunden), per Wallbox (optional für die Heim-Garage erhältlich/ca. 6 Stunden) und öffentlichen Wechselstrom-Ladestationen (detto 6 Stunden) möglich. Am flottesten geht es an den öffentlichen Ladestationen mit Gleichstrom und dem CCS-Schnellladesystem. Hier steht die Batterie des E-Golf nach rund 45 Minuten wieder zu mindestens 80 Prozent unter Strom.

Stadt, Land, Energiefluss

Hinter der Tanköffnung verbirgt sich eine Steckdose, wobei es mehrere Möglichkeiten gibt, die Batterie aufzuladen.

Von gratis bis extrem teuer

Etwas verwirrend ist die Nutzung des Stromtankstellen-Netzes, das kein einheitliches Tarifsystem kennt und von der Gratis-Tankstelle bis zum Strompreis-Wucher reicht. Im Test-Auto hatten wir eine Karte des Anbieters Smatrics zur Verfügung. Dieser hat ein recht engmaschiges Netz, verlangt jedoch Gebühren. Da kann – wenn man keinen monatlichen Fix-Tarif zahlt – das Highspeed-Volltanken sogar mehr als 20 Euro kosten, was bedeutet, dass man mit einem Verbrennungsmotor vergleichsweise günstiger fahren würde (was die Spritkosten betrifft). Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass die Zahl der Gratis-Tankstellen abnimmt, wenn die Zulassungen der E-Autos steigen.

Stadt, Land, Energiefluss

Die spannendste Anzeige ist die Reichweite (unten im linken Rundinstrument)

Ein starkes Argument für die E-Mobilität ist auf jeden Fall das Fahrvergnügen. Der E-Golf beeindruckte mit einem satten Drehmoment, einer Beschleunigung von unter zehn Sekunden auf Tempo 100 und dem Stillhaltevermögen bei voller Kraftentfaltung. Dazu kommen eine tolle Straßenlage und ein überragendes Gleitvermögen. Wenn man nicht im Rekuperationsmodus die Batterie speist, rollt der Golf im Leerlauf eine gefühlte Ewigkeit über den Asphalt. Gleiten statt hetzen – diese Betriebsanleitung wurde für Autos wie den E-Golf geschrieben, auch wenn dieser Slogan aus einer Zeit stammt, in der nur auf dem Rummelplatz elektrisch Auto(drom) gefahren wurde.

 

Volkswagen E-Golf: 

Preis: ab 38.680 Euro

Motor: E-Motor

Synchronmaschine

Lithium-Ionen-Batterie, 323 V, 100 kW (136 PS) bei 3000 bis 12.000 U/min

max. Drehmoment 290 Nm bei 0 bis 3000 U/min

Verbrauch (MVEG)

Stadt/Land/Mix 12,7 kWh/100 km

OÖN-Test 14,2 kWh

Batterien 35,8 kWh

Umwelt:

CO2-Ausstoß 0 g/km

Antrieb: Front

1-Gang-Automatik-Getriebe

Fahrleistungen:

0 auf 100 km/h 9,6 sec

Spitze 150 km/h

Abmessungen & Gewichte:

L/B/H 4270/1799/1482 mm

Radstand 2629 mm

Leergewicht 1615 kg

Zuladung 405 kg

Kofferraum 341 Liter

Garantie: zwei Jahre, acht Jahre auf die Batterie, aufpreispflichtig erweiterbar auf fünf Jahre (max. 100.000 km).

Plus: Fahrverhalten, Umweltbonus, absolute Alltagstauglichkeit

Minus: Autobahn killt Reichweite, E-Tankstellenstruktur noch dünn

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Artikel Christoph Zöpfl 26. August 2017 - 00:04 Uhr
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