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"Nimm die Finger weg, Papa!"

Der neue 90-PS-Dreizylinder macht den up! zu einem quirligen wie sparsamen Partner.

"Nimm die Finger weg, Papa!"

Ein wenig Rot – aber nicht zuviel: Die dezente Farbgebung peppt den Viertürer auf. Im OÖN-Test begnügte sich der 90-PS-up! mit 4,9 Liter Super. Bild: Volkswagen

Klein, fein, wendig. Oder auch: putzig. Ein reines Frauenauto also. Oder doch nicht? VW bedient beim up! zwar alte Klischees, versucht aber gleichzeitig gegenzusteuern. Und zwar mit einer Unzahl an Varianten, die das starke Geschlecht auf Touren bringen (sollen). Da wäre der cross up!, das obligatorische Modell im Offroad-Look. Oder beats up! mit einem Hammer-Soundsystem mit 300 Watt. Oder die Mucki-Bude-Ausgabe mit dem 90-PS-Dreizylinder-TSI. Also alles Testosteron oder was? Mitnichten. "Steil!", urteilte Barbara, stieg erfreut in den 90-PS-up! ein, um dem Papa auf dem Beifahrersitz die 1000 Kilometer für die Führerscheinausbildung abzuspulen.

 

Design: Klein, witzig, frech. Letzteres aber nur in Spurenelementen, denn schließlich handelt sich’s um einen VW, und da ist der Konservatismus tief in der Wolfsburger DNA verwurzelt. "Die roten Außenspiegel, die roten Felgen, die roten Zierlinien – ein Traum!", sagte die 23-Jährige. Freilich: Unser Testauto war mit der Option "colour pack hot orange" (363 Euro netto) angereichert, was den Kleinen zum optischen Zwilling des beats-Sondermodells macht.

 

Innenraum: Oberhalb der Radio-Einheit ragte eine Plastikkrake mit drei Armen in die Höhe: eine massive Halterung für Smartphones. Eh klar: Was das Smartphone liefert (Navi etc.), muss Volkswagen nicht einbauen und kann den up!-Preis niedriger kalkulieren. Dachte der Vater. "Finger weg, das Ding bediene ich", sagte die Tochter. VW spart? Nicht ihr Gedanke. Wie bediene ich das Teil, das ist die einzige Frage, die sich Barbara stellte. Oder auch nicht. Die jungen Finger tippten intuitiv über die Radioeinheit und plötzlich funktionierte alles! Telefon, Navi, Radio, USB usw. Barbara: "Passt!"

 

"Nimm die Finger weg, Papa!"

Fahrwerk: Der Gedanke sei nicht verhehlt: "Langsamer! Bitte ein wenig langsamer!" Irgendwann brach’s heraus; "Langsamer!" Konter: "Wieso? Der up! hält das aus. Locker!" Aber der Vater nicht. Barbara ging übrigens nicht vom Gas.

 

Motor: Der Dreizylinder war quietschvergnügt in allen Drehzahllagen, lieferte prompt und ohne Verzögerung extrem viel Schub, ohne dabei akustisch aufzufallen. Und mit ihm ließ sich auch bestens niedrigtourig cruisen – ungewöhnlich für einen Dreizylinder. Weil Fahrschüler besonders defensiv fahren (sollen) und sich an alle Tempolimits halten müssen ("Ein 30er ist ein 30er!"), folgte die Verblüffung zum Schluss: 4,9 Liter Super pro 100 Kilometer verheizt! "Siehst du, geht doch!", resümierte Barbara.

 

Fazit: Gimmicks peppen den konservativen Kleinen auf, der quirlige Motor passt bestens zu dieser Strategie. Kurzum: Um 17.000 Euro liefert VW sehr viel Auto.

 

"Nimm die Finger weg, Papa!"

 

VW up! Highline TSI BMT

Preis: ab 12.490 Euro
OÖN-Testwagen: 17.038 Euro

Motor: Dreizylinder mit Blue Motion Technology
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 66 kW (90 PS) bei 5000–5500 U/min
max. Drehmoment: 160 Nm bei 1500–3500 U/min.

Verbrauch (MVEG)
Stadt/Land/Mix: 5,5/3,8/4,4
OÖN-Test: 4,9
Tank/Kraftstoffart: 35 / Super
Umwelt: Euro-6
CO2-Ausstoß: 101 g/km

Antrieb: Front

Getriebe: 5-Gang (manuell).

Fahrleistungen:
0 auf 100 km/h: 9,9 sec
Spitze: 185 km/h

Abmessungen & Gewichte:
Länge/Breite/Höhe: 3600/1641/1463 mm
Radstand: 2407 mm
Leergewicht: 1002 kg
Zuladung: 324–433 kg
Kofferraum: 251–959 Liter
max. Dachlast: 50 kg

Garantie: 2 Jahre

Plus: Wendiger Kleinstwagen (9,8 Meter Wendekreis), geräumig, flotter Antrieb und sparsamer Motor

Minus: Smartphone-Halterung lässt sich schlecht verstellen

 

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Artikel Carsten Hebestreit 08. Juni 2017 - 07:04 Uhr
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