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"Na bumm" – Der BMW 760li im Test

Fußball-Präsident Leo Windtner half uns bei der Vermessung der Fahrerlebnis-Welt des BMW 760li.

"Na bumm"

Dieses Flaggschiff markiert das Ende der Fahnenstange von BMW: Der 760 li bietet Luxus, die Kraft von 610 Pferden und Hightech aus dem Feinkostladen Bild: chz

Die politische Korrektheit schreibt unter anderem folgende Gebote ins Pflichtenheft der Autoproduzenten: Baut kleinere, verbrauchsarme Motoren! Übt Zurückhaltung bei der Dimensionierung der Karosserie! Spart Gewicht und achtet auf die ökologische Reifenspur des Vehikels!

Normalerweise werden diese Benimmregeln auch artig befolgt. Einen Ausnahmefall verkörpert unser Testauto, der BMW 760 li xDrive. In diesem Fall haben die hohen Herren der Bayerischen Motorenwerke eher diese Direktiven an die Ingenieure ausgegeben: Pfeifts eich nix! Zeigts, was ihr könnt! Lassts es einmal ordentlich krachen!

In der Konsequenz entstand eine Limousine, die in der BMW-Flotte als High-End-Premium-Kutsche das Ende der Fahnenstange markiert und mit ihren persönlichen Daten irgendwie jenseits von Gut und Böse parkt: V12-Biturbo-Motor, 610 PS, 800 Newtonmeter Drehmoment, 14,5 Liter (Test-) Verbrauch für 100 Kilometer, in mir-nix-dir-nix (also zirka 3,7 Sekunden) von 0 auf 100, 305 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Ach ja, und da wäre noch was: Der Gesamtpreis für das exklusiv ausgestattete Testauto beläuft sich auf 252.814 Euro, 86.292 davon gehen an die Finanz (52.987 Euro NoVA, 33.305 Euro Mehrwertsteuer).

Der Konsulent aus Sankt Florian

Betrittst du als Greenhorn die Welt der Luxus-Karossen, klappt dir in der vom BMW 760 li vermittelten Fahrerlebniswelt die Kinnlade schnell einmal fast auf Kniehöhe hinunter. Du staunst Bauklötze und es fehlen dir die Worte. Was relativ blöd ist, wenn man einen Testbericht über dieses Auto verfassen soll. Aus dieser Not machten wir eine Tugend und nahmen Leo Windtner als Konsulent ins Test-Team. Als Generaldirektor der Energie AG hatte der Macher aus Sankt Florian das Vergnügen, sich jahrelang in einem Siebener-BMW kutschieren zu lassen. Natürlich Diesel und nicht V12-Zylinder, natürlich nicht High-End-Ausstattung, sondern eher im Trimm eines mobilen Büros. Aber trotzdem ist unser Testwagen für einen Manager wie ihn ein vertrauter Gefährte und nicht ein Ding aus einer anderen Welt. Der Präsident des Fußballverbandes hat zwar kürzlich seinen Schreibtisch in der Chefetage des Power Tower der Energie AG geräumt, die Erinnerungen an die Kilometerfresserei auf dem Rücksitz des Siebener sind aber noch sehr frisch.

"Na bumm."

Das ist Windtners erster Kommentar bei der Sitzprobe auf dem besten Platz in der Limousine, der sich hinter dem Beifahrersitz befindet und auf Knopfdruck in eine komfortable Liegeposition fährt. "Das ist ja kein Unterschied mehr zur Business-Class", meint er weiter. Der große Bildschirm, der alle Stückl spielt (auch DVD oder TV-Programme), oder die Massagefunktion des Sitzes haben den bodenständig gebliebenen Top-Manager dann eher weniger beeindruckt. "So etwas gab es in meinem Dienstwagen auch. Das mutet zwar wie ein übertriebener Luxus an, aber wenn man das Auto als fahrbares, voll funktionstüchtiges Büro benutzt, ist man wirklich dankbar, dass es so etwas gibt."

"Na bumm"

85.000 Kilometer zum Finale

Windtner spulte übrigens in seinem letzten Dienstjahr als Generaldirektor im Auto 85.000 Kilometer ab. Ohne Sitz-Massage wäre er wohl manchmal so buckelig wie der Glöckner von Notre-Dame bei seinen Terminen erschienen.

So ein Auto wie der BMW 760 ist nicht nur eine Wohltat, sondern auch eine Herausforderung. Die zahlreichen Funktionen von der (Unterhaltungs-)Elektronik über die Fahrassistenzsysteme bis zur Bedienbarkeit über Sprachbefehle oder Gestensteuerung verlangen ein intensiveres Studium der Betriebsanleitung. "Manchmal hat man das Gefühl, das Auto ist gescheiter als man selbst, weil man bei weitem nicht alles ausnützt, was es kann", sagt Windtner, der gemeinsam mit seinen Chauffeuren bei jedem Modellwechsel wieder zum BMW-7er-Studenten wurde. Dass unser Testauto per Display-Key ferngesteuert und unbemannt in enge Parklücken fährt, war da eine neue Lektion ...

Der Chef übernimmt das Steuer

Ebenfalls eine neue Erfahrung für den 7er-Stammgast war die kurze Verkostung des 12-Zylinder-Triebwerks. Der Motor ist ein Kunstwerk der Ingenieure, auch wenn man über seine Daseinsberechtigung streiten kann. Den ehemaligen Energie-AG-Chef hat die Maschine jedenfalls vom Rücksitz gerissen. Da wollte er selbst einmal die Chauffeur-Position einnehmen und auf der Drehzahlorgel spielen.

Ein vorsichtiges Tippen auf das Gaspedal, der Zwölfzylinder brummt einen Choral wie hundert Florianer Sängerknaben nach dem Stimmbruch, und der 760 schießt vorwärts wie ein Fußball nach einem Fußtritt von David Alaba. Windtners Experten-Urteil zum Temperament der aktuell schnellsten Serien-Limousine der Autowelt? "Na bumm."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

"Na bumm"

BMW 760 li x-Drive

Preis: ab 218.500 Euro
OÖN-Testwagen: 252.814 Euro
Motor: V-12-Zylinder Twin-Power-Turbo
Hubraum: 6592 ccm
Leistung: 448 kW (610 PS) bei 5500 U/min
max. Drehmoment: 800 Nm bei 1550 U/min.

Verbrauch (MVEG)
Stadt/Land/Mix: 18,4/9,6/12,8
OÖN-Test: 14,5
Tank/Kraftstoffart: 79 l/Super
Umwelt: Euro-6
CO2-Ausstoß: 294 g/km
Antrieb: Allrad
Getriebe: 8-Gang-Steptronic

Fahrleistungen:
0 auf 100 km/h in 3,7 sec
Spitze: 305 km/h

Abmessungen & Gewichte:
L/B/H: 5238/1902/1479 mm
Radstand: 3210 mm
Leergewicht: 2255 kg
Zuladung: 660 kg
Kofferraum: 515 Liter

Garantie: 2 Jahre / erweiterbar auf 4 Jahre (120.000 km).

Plus/Minus: dieses Auto entzieht sich dieser Kategorien

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Artikel Christoph Zöpfl 20. Mai 2017 - 01:12 Uhr
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