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Jetzt ist er ein richtiger Porsche

Die dritte Generation des Cayenne ist kein fetter Panzer, sondern ein feiner Sportwagen

Er könnte, wenn er wollte: Aber wer fährt schon mit einem 100.000-Euro-Plus-Auto in den Gatsch? Bild: Porsche

Uups, falsche WhatsApp-Gruppe erwischt: Das irrtümlich gepostete Foto des Porsche Cayenne S mit der persönlichen Anmerkung "Neues Spielzeug" bekam dort wenig Applaus. Statt "Likes" gab es eher kritische Anmerkungen und ökologische Ordnungsrufe wie beispielsweise, ob ich eh wisse, dass dieses Auto pro gefahrener Stunde so viel Sauerstoff wie 500 Menschen brauche. Die dritte Generation des Porsche Cayenne ist das geblieben, was seine Vorfahren gewesen sind: für die einen ein Traumauto, für die anderen ein Feindbild. Zwischen hui und pfui bleibt offenbar wenig Spielraum.

 

Design: Hier hat Porsche dem Cayenne einen sportlicheren Body-Mass-Index verpasst. Der Bulle aus Zuffenhausen ist nicht nur leichter, sondern auch schlanker geworden. Was früher Spötter "Hausfrauenpanzer" nannten, schaut jetzt sehr dynamisch und sportlich aus. Irgendwie kommt der Cayenne wie ein "aufgebockter" 911er. Das Heck mit dem durchgezogenen Leuchtstreifen ist sehr gelungen, die Front mit dem unübersehbaren Radarauge in der Mitte trägt allerdings noch einen etwas martialischen Terminator-Look.

 

Innenraum: Nimmt man im Cayenne Platz, wird verständlich, warum dieses Auto in der Premium-Klasse zum Bestseller wurde. In keinem Porsche reist man komfortabler. Das Platzangebot ist großzügig, das Ambiente first class. Das Cockpit bietet zahlreiche Funktionen, die man sich mit Ruhe und Muße erarbeiten sollte. Im Fahrbetrieb nach Versuch und Irrtum die einzelnen Optionen auszuprobieren, empfiehlt sich nicht. Zum Luxus kommt der hohe Nutzwert. Während man beim Hubraum das Downsizing pflegt, darf es beim Laderaum ruhig ein bisserl mehr sein. Der Kofferraum des Cayenne schluckt 770 Liter.

 

Fahrwerk: Hier ist den Ingenieuren ein echter Kunstgriff gelungen. Die Karosserie des Cayenne hat keine Tendenz zur Kurven-Schaukelei, er pickt vielmehr wie ein echter Sportwagen auf dem Asphalt. Technische Erklärungen für dieses Paradoxon liefern unter anderem die Hinterachslenkung, die Dreikammer-Luftfederung und ein elektrischer Wankausgleich. Per Knopfdruck lässt sich das Fahrwerk des Cayenne verschieden konfigurieren. Allein für den Geländebetrieb gibt es fünf verschiedene Fahr-Modi. Bleibt die Frage, wer mit einem Auto der Kategorie "100.000 Euro plus" wirklich in den Gatsch fährt.

 

Motor: Beim Cayenne S wird der Sechszylinder von zwei Turboladern versorgt. So leistet er 440 PS und entwickelt einen Schub von 550 Newtonmetern. Mit einem kleinen Knopf am Lenkrad lässt sich der Cayenne kurzfristig auf "scharf" stellen (das Zeitfenster ist 20 Sekunden lang), das hilft beim Überholen und erinnert an die Boost-Funktion eines Computerspiels. Das Achtganggetriebe hat zwar keine Doppelkupplung, es reagiert aber trotzdem recht flott und bietet Vorteile, wenn man den Cayenne als Zugfahrzeug verwendet. Ohne Extra-Gewicht verbrannte das Testauto mehr als 13 Liter pro 100 Kilometer. Schluck!

 

Fazit: Die dritte Generation des Cayenne ist am "porschigsten" ausgefallen. Der Nobel-SUV macht nicht nur im Offroad-Betrieb, sondern auch auf der Nordschleife gute Figur. Anschaffungs- und Betriebskosten werden die Verbreitung im Sinne des Umweltschutzes limitieren. Das Testauto kostete 162.085 Euro und 20 Cent.

 

 

Porsche Cayenne S

Preis: ab 91.923 Euro
Testwagen 162.085,20 Euro

Motor: V6-Benziner mit Biturbo
Hubraum 2894 ccm
Leistung 324 kW (440 PS) bei 5700 – 6600 U/min
max. Drehmoment 550 Nm bei 1800 – 5500 U/min

Verbrauch (MVEG)
Stadt/Land/Mix 11,8/8,4/9,4
OÖN-Test 13,1
Tank/Kraftstoffart 75l/Super
Umwelt: Euro-6

CO2-Ausstoß 213 g/km

Antrieb: Allrad

Getriebe: 8-Gang-Automatik

Fahrleistungen:

0 auf 100 km/h 5,2 sec
Spitze 265 km/h

Abmessungen & Gewichte:

L/B/H 4918/1983/1696 mm
Radstand 2895 mm
Leergewicht 2020 kg
Zuladung 920 kg
Kofferraum 770-1710 Liter
Anhängelast gebr. 3500 kg
Anhängelast ungebr. 750 kg

Garantie: zwei Jahre

Plus: Porsche-Fahren im SUV-Format, Luxus bei Kraft und Ausstattung

Minus: Feindbild der Öko-Fundis, hohe Betriebskosten

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Artikel Christoph Zöpfl 22. Mai 2018 - 00:04 Uhr
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