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Sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Migration ist ein echter Dauerbrenner

Ausstellung mit Kopftüchern im Museum der europäischen Kulturen Berlin Bild: OON

Migration ist ein echter Dauerbrenner

Dass die universitäre Arbeit nah dran ist am gesellschaftlichen Leben, zeigt die Forschung rund um das Thema Migration in Österreich.

Von Claudia Riedler, 08. Oktober 2016 - 00:04 Uhr

Bereits Anfang der 2000er Jahre wurden in verschiedenen europäischen Ländern Kopftuch-Debatten geführt. Damals allerdings noch sehr entspannt", sagt Michael John, Vorstand des Instituts für Wirtschaft- und Sozialgeschichte. Die Geschichte der Migration in Österreich ist seit den 1990er Jahren einer der Schwerpunkte des Instituts. Gemeinsam mit dem Museum Arbeitswelt wurde von 2001 bis 2003 die erste große Ausstellung zu diesem Thema in Österreich realisiert. Das Projekt "Migration, Work and Identity" war Teil des EU-Programms "Culture 2000". "Öffentliche Mittel aus Österreich gab es damals nicht", sagt John.

Für mehr Toleranz

Neben dem Museum Arbeitswelt in Steyr waren an dem Projekt Museen aus Schweden (Norrköping), Dänemark (Kopenhagen), England (Manchester), Deutschland (Hamburg und Berlin) und Spanien (Terrassa) beteiligt. Es entstand eine Wanderausstellung mit dem Titel "Crossing Borders", die auch in Linz im Landesdienstleistungszentrum gezeigt wurde. "Das Ziel war, zur europäischen Debatte über kulturelle Differenz und Pluralität einen Beitrag zu leisten. Bessere Kenntnisse sollten zu mehr Verständnis und größerer Toleranz führen", so der Kurator Michael John. Man war bemüht, die Ausstellung an vielfrequentierten Orten zu präsentieren. "Da gingen auch viele Schulklassen durch. Diese Informationen über die Wirklichkeit der Migration ist gut – und funktioniert", ist John überzeugt. Es sei ihm auch wichtig gewesen, eine Gegenöffentlichkeit zum Boulevard zu schaffen.

Bedroht Migration unsere nationale Identität? Diese Frage stand im Raum und auch damals schon ging es um die Verhüllung von muslimischen Frauen. "Wir haben etwa bei der Ausstellung im Museum der europäischen Kulturen in Berlin verschiedene Kopfbedeckungen platziert, nicht nur Kopftücher, auch einen Turban, Strohhut, Steirerhut und eine Baskenmütze", sagt John, der bei der Eröffnung mehrere Hüte übereinander trug, um die Multi-Nationalität darzustellen. "Man konnte damals noch sehr entspannt über diese Themen reden", sagt der Historiker.

Diskussion schärfer geworden

"Seither ist die Diskussion um die Kopftücher von muslimischen Frauen wesentlich schärfer geworden", sagt John. Eine Burka zu verbieten, war jedenfalls in den 2000er Jahren kein Thema. "Das hätte der üblichen Auffassung von Freiheitsrechten widersprochen." Müsste der Kurator die Ausstellung über die Migration in Österreich für 2016 adaptieren, wäre einiges zu tun. "Aktuell würde man natürlich die Flüchtlinge miteinbeziehen, die haben vor 15 Jahren noch keine so große Rolle gespielt. Damals ging es vor allem um die Arbeitsmigration", sagt John. Die Spannungen haben sich verschärft, auch diesem Aspekt müsste man in einer aktuellen Arbeit über die Migration Rechnung tragen.

Schule, Arbeitsmarkt, Frauen

Das Thema "Migration" zieht sich durch sämtliche Abteilungen der Sowi-Fakultät. Barbara Herzog-Punzenberger vom Institut für Pädagogik und Psychologie forscht beispielsweise im Bereich Schule und Migration.

Doris Weichselbaumer, Vorständin des Instituts für Frauen und Geschlechterforschung, beschäftigt sich mit der Diskriminierung von Frauen mit Migrationshintergrund. Ethnisches Unternehmertum ist eines der Themen von Petra Aigner, Assistenzprofessorin am Institut für Soziologie. Torben Krings forscht im Bereich Arbeitsmarkt und Migration.

Wichtig sei auch, die Migrantinnen und Migranten selbst zu Wort kommen zu lassen. "Es geht um deren Selbstwert", sagt Historiker John. Interviews mit Zuwanderern kann man aktuell in der Wanderausstellung "gekommen und geblieben" anschauen. Darin geht es um 50 Jahre Arbeitsmigration in Oberösterreich (derzeit in der Tabakfabrik Linz).

Die Selbstwahrnehmung, die Erinnerung und das kollektive Gedächtnis der Zuwanderer sind auch Teil des aktuellen Buches über die Migrations- und Identitätsgeschichte von Linz. "Vom nationalen Hort zur postmodernen City", heißt der Band, der in der Reihe "Linz im 20. Jahrhundert" entstanden ist.

Der bekannte Migrationsforscher Christian Dustmann vom University College London ist am 27. Oktober 2016 (18 Uhr) zu Gast an der JKU. Sein Thema: die Flüchtlingsmigration.

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