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Was macht eigentlich ein ... Technischer Redakteur?

WELS. Händeringend sucht die Wirtschaft nach guten Technikern. Und dabei auch immer öfter nach Technikern, die gerne schreiben und exakt dokumentieren können. Kurz gesagt: Technische Redakteure.

Was macht eigentlich ein Technischer Redakteur?

Herbert Wagner Bild: Ferschmann

Einfach ist es nicht, die richtigen zu finden. Das weiß auch Herbert Wagner zu berichten, der seit kurzem die Abteilung Technische Redaktion bei TGW in Wels leitet. Gebraucht werden sie aber dringend. Denn die sogenannte europäische Maschinenrichtlinie schreibt in einem Unternehmen wie TGW die exakte Dokumentation bis ins kleinste Detail vor.

„Immer wieder suchen wir Verstärkung, momentan sind wir zu fünft inklusive mir. Wir müssen dann immer eine Menge Bewerber aussieben, die einfach nicht passen“, erzählt der 25-Jährige. „Neulich hat sich zum Beispiel eine junge Frau bei uns beworben mit einer Waffenbauer-Ausbildung.“ Als Technischer Redakteur muss man zwei Berufungen in einem Job vereinigen: „Vorrangig sollte der Bewerber eine technische Ausbildung mitbringen. Gleichzeitig muss er auch die Liebe zum Detail haben“, erklärt Wagner. Man müsse alle technischen Beschreibungen verstehen und genau interpretieren können. Und zwar so, dass sie jeder versteht.

TGW muss als Produzent von Förderband- und Lagerlogistik-Lösungen für den späteren Nutzer und die Montage- und Service-Teams zu jedem Produkt bis ins kleinste Detail durchkonzipierte schriftliche Unterlagen anfertigen. Das kann kein Entwickler nebenbei machen. Auch nicht das Planungsbüro. Das muss ein Dritter machen – der Technische Redakteur.

Team-Arbeit

„Wir arbeiten mit allen Bereichen der Produktion eng zusammen. Von der Planung bis zur Endabnahme durch den Entwickler. Das ist es, was so spannend an unserer Arbeit ist“, erzählt Wagner begeistert.

Der Beruf ist – wie Wagner selbst – jung. Vor zehn bis fünfzehn Jahren hatte man in der Entwicklungsabteilung noch genügend Zeit, um auch die technische Dokumentation durchzuführen. Damals war diese noch nicht so umfangreich notwendig.

Heute gehören Wagner und seine vier Kollegen zum „Supply Chain Management“, der Beschaffungskette des Betriebs. Die Dokumentationen sind bei kleineren Bauteilen schon gut 200 bis 300 Seiten stark. „Leider müssen wir immer noch wegen der Maschinenrichtlinie die komplette Dokumentation ausdrucken“, sagt er. So schleppen er, die Kunden und die Service- und Montagetechniker immer einen dicken Aktenordner mit zum Gerät oder zu den Besprechungen.

„Irgendwann wird das sicher alles in digitaler Form ausreichen“, sagt Wagner. Er hatte vor kurzem einen Vortrag zum Thema „Hybrid-Dokumentation“ besucht, wo die Zukunft genau das verspricht: Die Produktdokumentation würde komplett auf dem iPad dargestellt werden. Damit ist sie überall in ihrer Gesamtheit dabei – leichter als dicke Mappen und vor allem multimedial.

Die Zukunft verspricht für den Beruf des Technischen Redakteurs viel. Denn „alles wird schneller, und wir müssen immer mehr produzieren. Da ist noch viel Bedarf an guten Leuten, zumindest was unsere Branche betrifft“, weiß Wagner zu berichten. Gute Leute findet man vor allem unter den Absolventen technischer Schulen (HTL), Fachhochschulen und Universitäten.

Im Wintersemester 2008/2009 startete am Fachhochschul-Campus Wels der Studiengang „Produktdesign und Technische Kommunikation“ – für Wagner die erste gezielte Ausbildungsmöglichkeit in Österreich. Er selbst hat an der Fachhochschule Wels studiert und bei diesem Lehrgang immer wieder „mitgeschnuppert“.

In Deutschland wird seit einiger Zeit von der tekom e.V., einer Art Berufsvereinigung technischer Redakteure, nach ISO-Norm ein Zertifikat vergeben, das auch in Österreich anerkannt wird und über das Wifi vermittelt wird.

Diverse Branchen

Neben Maschinenbaufirmen wie TGW werden Technische Redakteure auch in anderen Branchen gesucht: Die Spezialisten für schwierige Texte arbeiten zum Beispiel in größeren Ingenieurbüros, in der Hard- und Softwareberatung und bei Herstellern von Aufzeichnungsmedien.

Technische Redakteure sind darüber hinaus auch in der Informations- und Telekommunikationstechnik, im Kraftfahrzeugbau oder auch bei Möbelherstellern beschäftigt. Ebenso gibt es auch bei einigen Fachverlagen immer mehr Technische Redakteure.

Die Einstiegsgehälter für diesen Beruf liegen zwischen 2000 und 2500 Euro brutto.

Ausbildungsmöglichkeiten

Grundsätzlich kann jeder auch als Quereinsteiger diesen Beruf ergreifen.
Besser ist:
• FH Wels (Bachelor-Studium Produktdesign und Technische Dokumentation)
• Wifi (Zertifizierter Lehrgang Technische Dokumentation)
• Donauuni Krems (Master-Studium: Universitätslehrgang Technische Kommunikation)
• HTL

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Artikel Michaela Ferschmann 04. Februar 2012 - 00:04 Uhr
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