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Energieeffizient, nachhaltig und gesund

Bild: HANLO

Energieeffizient, nachhaltig und gesund

Bevor man mit dem Bau beginnt, ist die Motivation, gesundheitsbewusst zu bauen, sehr hoch

Von Sonderthemen-Redaktion, 14. Oktober 2017 - 00:04 Uhr

Nachhaltig und energieeffizient zu bauen ist ein Gebot der Stunde, denn das Erreichen der Klimaziele hat Auswirkungen auf den Lebensraum aller Menschen bzw. Lebewesen. Doch insbesondere die Energieeffizienz wird vielfach als selbstverständlich betrachtet, dafür rückt gesundes Wohnen immer mehr in den Fokus. Letztendlich ermöglicht aber nur die Berücksichtigung aller Faktoren ein sinnvolles und zeitgemäßes Bauen.

Studie: "Worauf kommt es beim Bauen an?"

Die Plattform "MeineRaumluft" hat im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Hoffmann & Forcher eine nicht repräsentative Eigenstudie durchgeführt, um zu erfahren, worauf es beim Bauen und Renovieren besonders ankommt. Im Herbst bzw. Winter 2016 wurden Einzelinterviews mit 100 Personen geführt, die aktuell bauten oder renovierten oder dies in nächster Zukunft vorhatten. Die Ergebnisse zeigen, Energieeffizienz alleine reicht nicht aus, das Thema Wohngesundheit steht im Fokus. Energieeffiziente Bauweisen und der dementsprechend bewusste Einsatz von Materialien werden vorausgesetzt oder als Standard angesehen.

Die häufigsten beiden Assoziationen zu "Gesund bauen und wohnen" sind für 34 Prozent der Befragten "Verwendung natürlicher Baumaterialien" sowie für 28 Prozent der Befragten "keine gesundheitsschädlichen Materialien". "Eine gute Luftzirkulation" sowie "eine gute Lüftung" werden von 16 Prozent der Teilnehmer spontan genannt. Bei 68 Prozent der Befragten ist "Gesund bauen und wohnen" ein wesentlicher Faktor für die Auswahl von Baustoffen und Baumaterialien. Bei jenen, die noch in der Planungsphase stecken, ist dies sogar für mehr als 80 Prozent eine Entscheidungsgrundlage. Einerseits geht es den Befragten durch die Auswahl der Baustoffe und Baumaterialien darum, keine negativen gesundheitlichen Folgen zu erleiden, andererseits erwarten sie sich durch den Einsatz hochwertiger Materialien eine erhöhte Lebensqualität und Wohlbefinden. In der Rangliste der wichtigsten Kriterien für das Bauen nannten nur 18 Prozent das Setzen von Energiesparmaßnahmen.

Nachhaltig und energieeffizient

Beide Begriffe werden häufig in einem Satz genannt, gehören aber nicht zwangsläufig zusammen. Wenn man nachhaltig bauen will, muss man darauf achten, dass zukünftige Generationen keine Belastungen erfahren. Da geht es zum Beispiel um die Lebensdauer und die Recyclingfähigkeit der verwendeten Baustoffe oder um die Frage, ob man in einer Siedlungslage baut und vorhandene Infrastruktur nützt oder nicht. Treibhausgase sind hier nur ein Aspekt, doch wenn es um Energieeffizienz geht, ist man gedanklich sofort bei den Klimazielen.

Energieeffizientes Bauen muss uns ein Bedürfnis sein. Dabei sind die Fertighaushersteller in diesem Bereich schon seit langem sehr aktiv und wer auf ein Fertighaus setzt, kann tatsächlich davon ausgehen, dass energieeffiziente Bauweisen als Standard angesehen werden. Und schließlich steht energieeffizientes Bauen auch für leistbares Wohnen. Auch wenn höhere Anfangsinvestitionen notwendig sind, rechnen sich diese im Laufe der Jahre und werden im Laufe eines Häuserlebens mehr als ausgeglichen.

Was spricht für ein Passivhaus?

Die meisten Hausbauer entscheiden sich für ein Niedrigenergiehaus. Gute Dämmung, Gewinnung der Energie mittels Photovoltaikanlagen und der Wärme durch Wärmepumpen machen auch ein Niedrigenergiehaus zukunftstauglich. Das Passivhaus wird noch effizienter gedämmt und benötigt bei guter Planung und günstigen Voraussetzungen weder Heizung noch Kühlung. Dafür ist Voraussetzung, dass man das Haus nach Süden hin ausrichten kann, um möglichst viel an Sonnenenergie gewinnen zu können. Die Frischluftversorgung erfolgt über eine Lüftungsanlage.

Den Unterschied zwischen einem Standardhaus der 1990er Jahre und einem Passivhaus veranschaulichten im Frühjahr GLOBAL 2000, Passivhaus Austria, ORF-Initiative MUTTER ERDE und das Passivhaus Institut mit einem Eisblock. Ein Mini-Passivhaus und ein Mini-Standardhaus der 1990er Jahre wurden errichtet und mit je 250 Kilogramm Eis befüllt. Das Mini-Passivhaus hat eine 45-Zentimeter-Dämmung und Fenster mit Dreifach-Verglasung, das 90er-Jahre-Standard-Haus nur acht Zentimeter Dämmung und Zweifach-Verglasung. Gestartet wurde Mitte April. Der Eisblock im Passivhaus hat den zunehmend sommerlichen Außentemperaturen mehr als 60 Prozent länger standgehalten. Im Standardhaus war der Eisblock bereits am 13. Mai geschmolzen, im Passivhaus waren am 29. April noch 20 Kilogramm vom Eis übrig.

Energieeffizient, nachhaltig und gesund
 
Bild: colourbox.de

Wahl der Baustoffe

Wer gesund bauen will, muss auf die Wahl der Baustoffe achten. Viele natürliche Baustoffe sind für einen wohngesunden Hausbau geeignet: Kalk, Lehm, Holz, Hanf, Schafwolle, Natursteine und keramische Baustoffe. In der Herstellung von Baumaterialien ist aber die Zugabe diverser Stoffe notwendig, wie zum Beispiel Brand-, Insekten- oder Holzschutzmittel. Für die Verarbeitung werden Kleber, Öle, Lacke, Fugenmassen oder Mörtel verwendet. Einerseits geht es bei der Wohngesundheit um Schadstofffreiheit und andererseits um die speziellen Fähigkeiten der Materialien. Sie tragen zu einem angenehmen Klima bei, indem sie isolieren und die Feuchtigkeit regulieren oder die Luft reinigen, wie dies zum Beispiel Kalk kann.

Wer sich konsequent für gesunde Baustoffe entscheidet, achtet schließlich auch beim Wohnen auf die Gesundheit und wählt Vollholzmöbel, soweit dies möglich ist.

Generell darf man annehmen, dass gesundheitsgefährdende Schadstoffe bei der Produktion von Baustoffen in Europa nicht mehr zugelassen sind.

Viele Hersteller gehen aber noch einen Schritt weiter und vermeiden auch Stoffe, die unter dem Verdacht stehen, die Gesundheit zu beeinträchtigen oder die sensiblen Menschen oder Allergikern Probleme bereiten. Abgeschlagenheit, Reizungen der Atemwege oder Augen, Kopfschmerzen oder Konzentrationsstörungen gehören zu den Symptomen, die auftreten können.

Doch woran erkennt man gesunde Baustoffe?

Mit geprüften oder zertifizierten Baustoffen wählt man Sicherheit. klima:aktiv steht für einen Gebäudestandard, der von der Klimaschutzinitiative des Umweltministeriums (BMLFUW) für Energieeffizienz und ökologische Qualität definiert wurde. Eine der vier bewerteten Kategorien ist Raumluft & Komfort.

Das Österreichische Institut für Baubiologie und -ökologie (IBO) vergibt das IBO-Prüfzeichen für jeweils zwei Jahre zur Kennzeichnung von umwelt- und gesundheitsverträglichen Bauprodukten. Eingeschränkter Einsatz umweltschädlicher und gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe, ressourcenschonende Rohstoffgewinnung, Langlebigkeit, umweltschonende Verpackung und Produktion sowie eine recyclinggerechte Konstruktion gehören zu den Kriterien.

Das deutsche Umweltzeichen Blauer Engel zeichnet Produkte aus, die von der Produktion bis zur Entsorgung gehobene Umweltansprüche und zugleich auch hohe Ansprüche an Gesundheits- und Arbeitsschutz erfüllen.

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