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Wie wir wohnen werden: Flexible Möbel, viel Natur, aber wenig Platz

Heimische Möbelhersteller präsentierten bei der wichtigsten Fachmesse für Wohnen und Einrichtung ihre Neuheiten und wagten einen Blick in die Zukunft des Wohnens.

Die Joka-Polstermöbelserie „Laguna“ lässt sich beliebig kombinieren. Bild: Joka

Elf Hallen, 141.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 100.000 Produkte und 125.000 Besucher aus 138 Ländern: Die imm cologne in Köln gilt als Mittelpunkt der internationalen Möbelwelt. Auch heuer stellten mehr als 1000 Hersteller ihre Neuheiten vor, davon einige aus Österreich. Die OÖNachrichten haben sich auf der Messe umgesehen und sechs Trends herausgefiltert:

1. Flexibilität: "Alles ist in Bewegung", lautete der Tenor bei den Herstellern Team 7 aus Ried im Innkreis, Joka aus Schwanenstadt, Wittmann aus Niederösterreich, Ada aus der Steiermark und Karasek aus Wien. Starre Wohnkonzepte seien überholt und gehörten der Vergangenheit an. Joka legte den Schwerpunkt bei der diesjährigen Möbelmesse auf die neue Polstermöbelserie "Laguna". Tische, Hocker, Lehnen und Sitzmöbel lassen sich kombinieren. "Es sind einzelne Elemente, die man wie bei einem Baukasten zusammensetzen und je nach Belieben erweitern kann", sagt Joka-Geschäftsführerin Anna Kapsamer-Fellner.

Ein ganz ähnliches Konzept gibt es bei Ada. Bett, Lehne und Kissen lassen sich individuell zusammenstellen. Für Kunden werde das immer wichtiger, bestätigt Pressesprecherin Sandra Gleichweit.

2. Funktionalität: Den Wahlmöglichkeiten beim Kauf von Möbeln sind heutzutage keine Grenzen gesetzt. Betten oder Sessel gibt es nicht nur in unterschiedlichen Formen, sondern auch mit allen möglichen Extras. "Ein Möbel muss heute mehr leisten können als früher", sagt Georg Emprechtinger, Vorsitzender der Österreichischen Möbelindustrie und Geschäftsführer von Team 7. Die Innviertler vertrauen einer bewährten Strategie: Sie erweitern bereits erschienene Produkte je nach Kundenwunsch um Farben, Materialien und Details. Ein Beispiel dafür ist der Couchtisch "lift". Dieser hat eine elektrische Hubtechnik eingebaut und lässt sich per Knopfdruck verstellen. "Er ist bis zu 77 Zentimeter ausfahrbar", sagt Sebastian Desch, Chefdesigner bei Team 7. Neu in der Kollektion ist auch der dreibeinige Beistelltisch "hi!". An der Seite ist eine Lederschlaufe angebracht, um ihn bequemer tragen zu können. Verwenden lässt er sich dank einer dreh-, schwenk- und neigbaren LED-Lampe auch als Lesetisch.

3. Farben: Dass die Möbelhersteller jedes Jahr eine neue Trendfarbe ausrufen, sollte niemanden mehr überraschen. Dass es heuer gleich zwei Farben sind, ist jedoch unüblich. Papaya und Violett geben den Ton an. Das orangefarbene Papaya zähle zu jenen Farben, die aus der Natur stammen und somit "erdig" wirken, heißt es. Violett werde bei Möbeln oft mit dunklen Holzarten kombiniert, etwa Nuss- oder Eichenholz, um Kontraste besser zu betonen.

Wie wir wohnen werden: Flexible Möbel, viel Natur, aber wenig Platz

Während Team 7 mit Papaya "afrikanisches Flair und Sommerfeeling" versprühen möchte, hält Joka seine Polstermöbelserie "Laguna" in Violett. "Es scheint, als ob unser Designer Stefan Brandtmayr hier schon eine Vorahnung gehabt hat. Wir haben den Zeitgeist getroffen", sagt Joka-Chefin Kapsamer-Fellner.

Aus der Reihe fällt der niederösterreichische Möbelhersteller Wittmann. "Es gibt viele, die bei Farben kein Risiko eingehen wollen", sagt Geschäftsführer Hartmut Röhrig. "Wir sind anders." Wittmann kombiniert grüne, gelbe, blaue und beigefarbene Möbel. Vor allem in Korea und Japan stoße man damit auf großes Interesse, sagt Röhrig und fügt hinzu: "Unser Stil ist es, keinen Stil zu haben. Wir wollen ausbrechen aus den klassischen Regeln."

Wie wir wohnen werden: Flexible Möbel, viel Natur, aber wenig Platz

Auch Ada aus der Steiermark experimentiert mit Farben. Das liegt daran, dass das Unternehmen neben den Eigenmarken Austria premium, Ada trendline, Alina sleeping und Alina living die beiden Lizenzmarken Tom Tailor (Modemarke) und Rosenthal (Porzellanhersteller) im Programm führt. Bei Tom Tailor liegen bunte, grelle Farben im Trend, heißt es.

4. Urbanisierung: Wohnraum ist knapp, vor allem in Städten. Dieser Trend ist nicht neu, aber die Möbelhersteller stellen sich mittlerweile darauf ein. Kleinere Möbelstücke oder solche mit mehr Funktionen gewinnen an Beliebtheit, sagt Team-7-Chef Emprechtinger. Ebenso sei das "offene Wohnen" im Kommen. Waren Küche, Ess- und Wohnzimmer früher getrennt, so fließe heute alles ineinander. Laut Emprechtinger hängt das indirekt mit den steigenden Mietkosten zusammen. "Beim Wohnraum wird es um reduzierte Flächen gehen." Deshalb müsse man sich genau überlegen, wie man aus wenig Platz das Beste mache. Der Zuzug in die Metropolen werde aber keineswegs abreißen, prognostiziert Emprechtinger.

5. Natur: Hersteller achten vermehrt darauf, dass Materialien für ihre Möbel ökologisch gewonnen werden. Ein belgischer Möbelproduzent fertigt beispielsweise ohne Leim. Sind die Schrauben gelöst, kann das Holz wiederverwertet werden. Den Naturgedanken verfolgt auch Joka mit seiner Marke Pro Natura. Bei den so genannten Energieunterbetten gibt es neben Weiderinde, Torf und Zirbe nun ein viertes Material: Hanf. Dieser kühle bei Hitze und wärme bei Kälte, sagt Joka-Vertriebsleiter Gerhard Außerhuber. Außerdem sei Hanf gegen Schädlinge resistent und sehr strapazierfähig. Ein Energiebett fördere die körpereigene Regeneration.

6. Intelligente Möbel: Seit 1932 stellt Karasek aus Wien Gartenmöbel her. Das Unternehmen ist dafür bekannt, etwa Thermen mit Liegestühlen auszustatten. In Köln hat Karasek erstmals die Loungegarnitur "Sylt" präsentiert. Der Rahmen besteht aus pulverbeschichtetem Aluminium, die Kissen sind aus Sunbrella-Gewebe, das auch im Bootsbau und Segelsport eingesetzt wird. Dieses gilt als schmutzresistent. Verschütteter Kaffee, Colaspritzer oder Ketchupflecken lassen sich einfach mit Wasser abwaschen.

Wie wir wohnen werden: Flexible Möbel, viel Natur, aber wenig Platz

imm cologne 2018: 125.000 Besucher aus 138 Ländern

Von 15. bis 21. Jänner fand die imm cologne in Köln statt. In Deutschlands viertgrößter Stadt präsentierten Möbelhersteller aus der ganzen Welt ihre neuesten Produkte. 23 Unternehmen aus Österreich stellten aus, darunter fünf aus Oberösterreich: Team 7 aus Ried im Innkreis, Joka aus Schwanenstadt, Anrei aus Pabneukirchen, Lehner Wolle aus Waizenkirchen und Roomle aus Linz. 125.000 Besucher aus 138 Ländern kamen zur Messe. Bezogen auf die Fachbesuchertage, stieg der Auslandsanteil auf rund 50 Prozent (2016: 46). Die größten Zuwächse in Europa kamen aus Spanien (+31 Prozent), Belgien (+16 Prozent) und Frankreich (+11 Prozent). Auch mehr Asiaten reisten nach Köln. Führend waren Chinesen (+82 Prozent) und Japaner (+63 Prozent).

 

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Artikel Martin Roithner 27. Januar 2018 - 00:04 Uhr
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