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Trend zum Bauen ohne Förderung

WIEN. Studie: Zahl der Wohnbaubewilligungen stieg im Vorjahr auf Rekordhöhe. Förderausgaben des Staates sanken gleichzeitig um sechs Prozent.

Trend zum Bauen ohne Förderung

Im mehrgeschoßigen Wohnbau wurde im Vorjahr noch am meisten auf die Wohnbauförderung zurückgegriffen. Bild: Weihbold

Trotz weniger Wohnbauförderung (WBF) haben die Wohnbaubewilligungen im Vorjahr einen Rekord erreicht. Die Zahl der Neubaubewilligungen wuchs auf 53.900, samt Sanierungen und gemischt genutzten Häusern wurden 67.400 Bewilligungen erteilt.

Ein historischer Höchstwert "und nahe am Bedarf", hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Aussendung des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) und des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie in der Wirtschaftskammer.

Damit habe sich der Trend zu steigenden Bewilligungen bei zugleich sinkenden WBF-Mitteln fortgesetzt. Das mag aus Sicht der Steuerzahler eine gute Nachricht sein, Wohnbauexperten sehen diese Entwicklung eher mit gemischten Gefühlen. "Damit geht der Lenkungseffekt der Wohnbauförderung verloren", sagt Wolfgang Amann, Geschäftsführender Gesellschafter des IIBW. Wer beispielsweise ein Eigenheim mit Förderung errichtet, muss sich an Auflagen halten, was die Nutzfläche, die energetische Qualität oder die Barrierefreiheit angeht.

Effekt durch niedrige Zinsen

Das verleitet gerade Häuslbauer dazu, auf die Förderung zu verzichten. "Es wird dann oft viel zu groß gebaut", sagt Amann im Gespräch mit den OÖNachrichten. Das spürt man auch bei den Förderausgaben. Die Neubauförderung sank 2016 um 4,5 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro, die Sanierungsförderung noch stärker um elf Prozent auf 580 Millionen Euro. "Damit bleibt die Sanierungsförderung auch unter dem politisch intendierten Niveau", heißt es in der Aussendung. Sowohl das zu große Bauen als auch der Verzicht auf energiesparende Bauweise sei nicht nachhaltig, so Amann.

Eine wichtige Rolle für den Rückgang der Förderung spielten auch die niedrigen Zinsen. "Viele Institute schwimmen im Geld", sagt Amann. Auch hier liege langfristig ein Risiko, vor allem dann, wenn die Darlehen variabel verzinst seien, so Amann.

Trend zum Eigentum

Während der Neubau von Einfamilienhäusern auf hohem Niveau stagnierte und der Mietwohnungsbau nur leicht anzog, hätten sich die Neubauzahlen von Eigentumswohnungen von jährlich rund 6000 in den 2000er-Jahren auf zuletzt rund 17.000 fast verdreifacht, heißt es.

Der Trend zum Eigentum betrifft demnach vor allem freifinanzierte Wohnungen in den Ballungsräumen, allen voran Wien. Der Anteil der Eigentumswohnungen am gesamten großvolumigen Neubau ist damit von rund 30 auf 50 Prozent gestiegen. (hn)

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Artikel 07. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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