Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Sonntag, 22. Oktober 2017, 15:27 Uhr

Reichenau im Mühlkreis: 8°C Ort wählen »
 
Sonntag, 22. Oktober 2017, 15:27 Uhr mehr Wetter »
Anzeigen  > Immobilien

Die Zukunft am Stadtrand

WELS. Stadtentwicklung ist keine Frage von öffentlich oder privat. Gut gemacht muss sie sein – Lernen vom Beispiel Stadtwohnpark.

Die Zukunft am Stadtrand

Grün ist hier nicht nur die Mitte, sondern es durchzieht das gesamte neue Viertel um den Mühlbach. Bild: Werner Gattermayr

Wer die Innenstadt verlässt, macht eine Zeitreise. Das, was "Stadt" einmal war, das dichte Gefüge aus Häusern und Höfen, aufgeräumten Plätzen und Straßenzügen, bleibt zurück, und schon nach wenigen Geh- oder Fahrminuten breitet sich die Stadt von heute aus: ein unbekümmerter Mix aus Shopping- und Gewerbehallen, Wohn- und Industrieanlagen, Einfamilien- und Laufhäusern, Bauernhöfen und Bankfilialen. Dazwischen gibt es Reste von Grün und jede Menge Asphalt als Bindemittel.

"Wie kann die Stadt in Zukunft wieder besser werden?", fragt sich der Zeitreisende besorgt. Eine Idee davon gibt es westlich des Welser Zentrums, in dem Gewerbe- und Wohnviertel, das die private Errichtergemeinschaft "Wirtschaftspark Wels" mit "Wohnbau-west" seit Mitte der 90er Jahre im Umfeld der Fritsch-Mühle zwischen Trabrennbahn und Dragonerstraße entwickelt hat.

Etwa im Zweijahrestakt entsteht Neues, fast immer mit dem vor Ort ansässigen Architekturbüro Hofbauer. Unter dem Label "Welser Dienstleistungszentren" wurden bislang neun Bürohäuser gebaut. Mit mehreren Wohnsiedlungen wurden diese Solitäre nach und nach zum zusammenhängenden Quartier verdichtet. Statt Kopieren und Einfügen wird stets neu konzipiert. So sind, ähnlich einer Schausiedlung, Typologien in erstaunlicher Vielfalt entstanden.

Grünraum statt Rasenfläche

Der "Stadtwohnpark" in der Maria-Theresia-Straße ist die bisher größte Projekteinheit. Das Hofensemble aus vier fünfgeschoßigen Wohntürmchen wird von drei langen Riegeln – Wohnen im Norden und Osten, Büro und Gewerbe im Westen – als Blockrand locker umschlossen. "Unser Ziel ist eine durchlässige Parklandschaft", erklärt Architektin Monika Liebmann die Grundidee des durchgrünten Viertels.

Statt umzäunter Eigengärten gibt es tiefe, raumhoch verglaste Loggien, die auch im Erdgeschoß geschützt hinter der Fassade liegen. So ist das Grün für alle da, was den Hof angenehm neutral und öffentlich macht. Schade nur, dass es die strenge Gartengestaltung und -pflege fast ins Sterile kippen lässt. Die Fassaden wirken wie kunstvolle Grafiken aus langen Loggienbändern, wohlproportionierten Fensterflächen und feingliedrigen Brüstungsstreifen. Auch innen herrscht bei aller Einfachheit der Konzeption großzügige Wohnlichkeit.

Die Zukunft am Stadtrand

Dass diese edle Präzision in freier Finanzierung nicht wesentlich mehr kostet als geförderter Wohnbau, sollte zu denken geben. "Es gibt ein Grundstück, die gewünschte Dichte und einen fixen Kostenrahmen", erklärt die Architektin, wie das möglich ist, "in gestalterischen Entscheidungen wird uns sehr vertraut."

Lebensraum statt Behausung

Der Zeit voraus ist dieses Stückchen Stadt aus folgendem Grund: Es gilt das Gebot der Effizienz und Sparsamkeit. Aber das Ideal einer guten Architektur wird dem nicht geopfert. Es gibt ein Renditeziel. Aber Investoren und Architekten teilen einen hohen gestalterischen Anspruch, der von der städtebaulichen Konzeption bis zum Türdrücker durchgezogen wird. Das ist kein Plädoyer für private Stadtentwicklung. Dass es hier gelingt, ist ein Glücksfall, vor allem angesichts des mangelnden Wettbewerbs zugunsten eines einzigen Architekturbüros.

Aber das Viertel bietet als Vergleichsszenario ein paar Tipps für die Entwicklung der "öffentlichen" Stadtlandschaft der Gegenwart. Es braucht wie hier strukturierte, kontinuierliche Planung mit Blick aufs Ganze und Entscheidungsträger mit genügend Kulturbewusstsein, um auf die Kompetenz professioneller Gestaltung zu vertrauen.

Vor allem im Mischmasch zwischen den Siedlungskernen braucht es Lebensräume statt Behausungen. Das geht mit Bauten, die sich nicht auf die Umgebung verlassen, sondern die sich selbst um den Zusammenhang bemühen, die Identität mitten im Brachland stiften. Das ist hier gelungen.

 

Eckdaten des Stadtwohnparks

Objekt: Stadtwohnpark Maria Theresia Straße, Wels
Bauträger: Wohnbau-west Bauträger GmbH, Wels
Architektur: HOFBAUER:ARCHITECT ZT GmbH, Wels
Statik: DI Reinhard Donabauer, Innsbruck
HKLS, Elektro: IBK Ingenieurbüro Kainz; Innsbruck
Ausführung: 7 Gebäudeteile in 2 Baustufen 2011 bis 2014
Nutzfläche: 19.740 m² (inkl. 3860 m² Büroflächen); 166 Wohnungen Bauweise: Massivbauweise, Flachdachaufbau, WDVS mit grobem Spritzputz, Parkett, Isolierglas-Kunststofffenster, Fernwärme/Radiatore

 

Kommentare anzeigen »
Artikel Tobias Hagleitner 05. August 2017 - 00:04 Uhr
Weitere Themen

Wohnungsmarkt in Warschau: "Miete ist eine Beleidigung"

Die Polen streben nach Eigentum und verschulden sich dafür auf Jahrzehnte.

Heta hat eine Sorge weniger: Käufer für "Skiper" gefunden

KLAGENFURT. "Istrian Hotels" kauft Tourismusanlage in Kroatien

Airbnb & Co treiben die Preise für Eigentumswohnungen in die Höhe

WIEN. Kurzzeitvermietung bringt für Profi-Immobilien-Investoren mehr Rendite.

Hauptsache eingezäunt und bewacht

WIEN. Der Wunsch nach Sicherheit treibt seltsame Blüten in Polen.

Fünf Milliarden Dollar für Hochhaus in Hongkong

HONGKONG. Keine Entspannung bei den Immobilienpreisen.
Meistgelesene Artikel   mehr »
Bitte Javascript aktivieren!