04. März 2017 - 00:04 Uhr · Tobias Hagleitner · Immobilien

Die besten Freiräume

Die besten Freiräume

Lokalbahnstation Ostermiething von udo heinrich architekten Bild: Udo Heinrich

LINZ. Architekturpreis Daidalos: Die Jury nominierte ein Kunstprojekt auf dem Eferdinger Stadtplatz, einen Ortsplatz mit Flugdach und eine Lokalbahnstation im Innviertel.

Rund 70 Projekte wurden beim oberösterreichischen Architekturpreis Daidalos eingereicht. In der Kategorie "Freundlicher Freiraum" waren Maßnahmen im Ortskern und Außenraumgestaltungen gefragt, aber auch Bauten, die ein Ensemble oder einen Straßenzug aufwerten und damit zur positiven Entfaltung der Gemeinde beitragen.

Dass sich nur ein Fünftel aller Beiträge um den Preis in dieser Sparte bewarb, unterstreicht ein Problem: Fachlich versierte Freiraumplanung ist zu wenig gefragt. Es fehlen Geld und Engagement, um öffentlichen Raum anspruchsvoll zu gestalten. Die Dominanz des Autoverkehrs tut ein Übriges. Restflächen ohne Qualität bestimmen das Bild in der Stadt und auf dem Land.

Dass durchaus Potenzial vorhanden wäre, zeigte sich bei den Einreichungen. Es gab Beispiele für Freiraumplanung im privaten wie öffentlichen Wohnbau und kommunale Bauten, die interessante Plätze oder Zentren bilden. Vor allem von jüngeren Teilnehmern wurden die sozialen Aspekte im öffentlichen Raum in den Vordergrund gerückt: Landschaft und Stadt gemeinsam gestalten, bearbeiten, verändern – das war das Motto dieser Projekte. Im Folgenden präsentieren wir die drei Nominierten.

Dach als Dorfmitte

Die Innviertler Gemeinde Handenberg liegt auf einem Hügel, der von Kirche und Friedhof markant besetzt ist. Nach einem Abbruch sollte der Ortsplatz neu gestaltet werden. Heidl Architekten und Landschaftsarchitektin Barbara Bacher gewannen den von Bürgerschaft und Gemeinde sorgfältig vorbereiteten Wettbewerb.

Sitzgelegenheiten und die frei auskragende Betonkonstruktion des Flugdachs wurden mit Teich, Friedhof und Nachbarhäusern zu einer attraktiven Ortsmitte arrangiert. Sorgsam konzipierte Weg- und Blickachsen schaffen neue Aufenthaltsqualität. Der Straßenverkehr konnte verlangsamt werden.

Mit dem weit auskragenden Dach, aus einem Guss betoniert, ist eine architektonisch hochwertig gearbeitete Nutz-Skulptur entstanden. Sie schützt 80 Quadratmeter Platzfläche vor Sonne und Regen und dient als Treffpunkt und Begegnungszone. Vorbildlich findet die Jury besonders den transparenten Planungsprozess mit 1:1-Umsetzung des Wettbewerbs.

Haltestelle als Platz

Durch die Verlängerung der Salzburger Lokalbahn erhielt Ostermiething im äußersten Westen Oberösterreichs vor zwei Jahren direkten Anschluss ans Schienennetz. Das bot eine einmalige Chance für den Ausbau der örtlichen Infrastruktur. Architekt Udo Heinrich wusste sie zu nutzen.

Der Bahnsteig, die eigentliche Kernfunktion, ist nur ein Teil des vielschichtig überlegten Gesamtentwurfs, bei dem Details so genau formuliert sind wie die landschaftliche Einbettung, innere Abläufe so sehr wie die äußere Erscheinung. Warteraum, WC, Bäcker-Kiosk, Personal- und Technikraum sind als kleine Hauskuben ausgebildet. Sie tragen die dünne, durchgehende Dachplatte. Dazwischen ergeben sich attraktive Aufenthaltsbereiche.

Eine große Ausnehmung in der Decke lässt eine Platane hindurchwachsen. Sie schützt den "Sommerwarteraum" darunter. Inmitten der Unordnung aus Gewerbe- und Wohnbebauung bildet der Bahnhof in seiner gestalterischen Präzision einen Ruhepol. Er kann zum Kristallisationspunkt einer vernünftigen städtebaulichen Entwicklung in den wenig definierten Randlagen der Gemeinde werden.

Kunst als Impuls

Das Alltägliche neu entdecken und damit ungewohnte Perspektiven auf die Stadt zu eröffnen, war das Ziel von collective ika, Margit Greinöcker und Architekt Christoph Weidinger. Im Rahmen des Festivals der Regionen in Eferding 2013 holte das Team Versatzstücke aus dem Umland, um ihnen auf dem Stadtplatz eine neue Funktion zu geben. Ein Silo wurde zum Aussichtsturm, ein Stadel zur Bühne, unter dem Folientunnel fanden Bar und Infopunkt des Festivals Platz. Für kurze Zeit wurde der Verkehr zurückgedrängt, ein lebendig genutzter Stadtraum entfaltete sich, es wurde gefeiert und diskutiert.

Die Intervention ermöglichte nach Ansicht der Jury ein Erlebnis von Stadt, wie sie im Idealfall sein könnte. Auf diese Weise lieferte die temporäre Maßnahme Impulse, Materialien und Ideen für die weitere Entwicklung.

 

Daidalos 2017

Der oberösterreichische Architekturpreis Daidalos wird heuer zum dritten Mal von den OÖNachrichten und ihren Partnern vergeben – in den Kategorien „Mutiges Experiment“ (Bauwerke) und „Freundlicher Freiraum“ (Ortsentwicklung). Sonderpreis: „Gelungene Reparatur“ (Sanierung). Die Gala findet am 23. März in der Tabakfabrik Linz statt. Dann wird man wissen, welche drei Projekte gewonnen haben.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/anzeigen/immobilien/art147,2498816
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