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Baukunst zur Erinnerung

Bei Gedenkbauten sind im Unterschied zu den meisten profanen Gebäuden Würde und Feingefühl gefragt. Architektur bedeutet hier Kunst aus Materie, Form und Licht.

Baukunst zur Erinnerung

Franziskuskapelle in Arbing: "Pax et bonum"(dt.: "Friede und Heil") ist das zentrale Motiv. Bild: Dietmar Tollerian

Die Zeit großer sakraler Neubauten ist vorerst vorbei. Die Kirche muss eher nachdenken, was sie mit all den leer stehenden und unternutzten Hallen und Grundstücken künftig anfangen wird. Die kollektive Andacht in konfessionellen Großbauten ist out.

Das Bedürfnis nach Räumen der Besinnung und Stille, etwa nach Orten, wo das Andenken an verstorbene Mitmenschen einen würdigen Platz hat, bleibt hingegen aktuell. Und so gibt es selbstverständlich weiterhin "sakrale" Bautätigkeit – allerdings eher im kleinen Maßstab, nicht immer konfessionell geprägt und oft beauftragt von privaten Bauleuten.

So sind in Oberösterreich in den vergangenen Jahren einige interessante Andachtsräume und Kapellen entstanden. Die kleinen und sehr kleinen Typologien sind keine Neuerfindung unserer Zeit. Historische Anknüpfungspunkte sind bäuerliche Andachtsräume, Wegkapellen oder Marterln. Befreit vom Traditionsdruck mit all dem Pflicht-Schnörkel sind sie für die zeitgenössische Architektur eine besonders interessante Aufgabe und aufgrund der überschaubaren Größe vor allem für die Jüngsten der Branche am Anfang ihrer Laufbahn ein spannendes Betätigungsfeld. Wie kaum sonst geht es bei diesen Bauten um elementare Architektur, um die Schaffung von Atmosphäre, um Licht und Schatten, um Stimmungen und Wirkungen.

Reduktion macht ruhig

In seiner Heimatgemeinde Arbing hat Rafael Hintersteiner als junger Architekturstudent in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedhof 2011 die kleine Franziskuskapelle errichtet. Der stehende, oben offene Quader aus dunkel gefärbtem Beton ist einfach, dabei aber gekonnt proportioniert und achtsam detailliert.

Die Bodenplatte ist mit einer umlaufenden Fuge deutlich von den Wänden abgesetzt, in der schmalen Öffnung des Zugangs als einladende Schwelle formuliert. Innen gibt es dank Reduktion in Form und Farbe sechs Quadratmeter Ruhe von der Welt und darüber das Rechteck des offenen Himmels. In der Wand sind kleine Nischen für Kerzen. Der Beton, die edlen Metalle der beiden kleinen Glocken und das alte Holz des Jochs, an dem sie hängen, ergeben insgesamt eine edle Ästhetik friedlicher Schlichtheit – die franziskanische Idee gekonnt in die Sprache des Materials übersetzt.

In diesem Jahr wurde der "Turm der Stille" fertiggestellt, den sich eine Familie aus dem Machland als Grab- und Andachtskapelle und Meditationsraum wünschte. "Leben und Tod sollten darin Platz finden", meint der Gesangs- und Baukünstler Hintersteiner zu seinem zweiten Projekt.

Umgesetzt wurde das Thema des Lebenskreislaufs als Dialog zwischen Himmel und Erde. Eine kreisrunde Öffnung in der Decke, eine am Boden, ausgekleidet mit einer Schale aus gehämmertem Kupfer. Für die Mauer wurde Granit aus der Umgebung in perfekter Zyklopentechnik zu einem Zylinder geschlichtet.

Wie Rafael Hintersteiner war auch Franz Koppelstätter Architekturstudent an der Kunstuniversität Linz. Sein Studium schloss er 2010 mit der Planung und Umsetzung einer Gemeinschaftskapelle in Nonsbach ab. Bemerkenswert ist neben der formal ungewöhnlichen Gestalt des Holzbaus aus drei Lärchen vor allem der Entstehungsprozess: Sämtliche Entwurfsentscheidungen wurden von der Errichtergemeinschaft gemeinsam erarbeitet und konsensual getroffen.

Friedlich eingebettet

Im vergangenen Jahr schuf der gebürtige Innviertler einen besonderen Ort der Stille. Das Kenotaph ist der Erinnerung und dem Andenken an den Bauern im Hinterweintal gewidmet: Beim Versuch, das Vieh aus dem brennenden Stall zu retten, ist er ums Leben gekommen.

Der Betonboden des verbrannten Gebäudes wurde abgetragen und in Streifen unterschiedlicher Länge geschnitten. Die Platten wurden in der Nähe des Hofs auf einer kleinen Anhöhe übereinandergeschlichtet und zur schützenden Umfriedung verwoben.

Darüber überspannt mit etwas Abstand ein leichtes Holzdach den Raum. Umgeben von der ehemaligen Unterseite des Stalls – gefasst vom einzigen Material, das unversehrt geblieben ist – geht der Blick hinaus auf die sanfte Landschaft.

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Artikel Tobias Hagleitner 31. Oktober 2015 - 00:04 Uhr
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