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Gebastelt, nicht geklotzt

HALLSTATT. Hallstatt: Der verstreute Bestand der HTL wurde strukturgerecht mit vier Ergänzungen versehen. Fein abgestimmt nach Nutzung und Umgebung ist jeder Bau ein Typ für sich.

Gebastelt, nicht geklotzt

Jedem Zweck der passende Bau: Hohe Traglast und Frischluft im Holzlager Bild: Stefan Öhlinger

Hallstatt mag für moderne Architektur ein sensibles Umfeld sein. Doch bei aller Weltkulturerbe- und Postkarten-Idylle: Ein Freiluft-Museum ist es vorerst noch nicht. Die gut 140 Jahre alte, so traditionsreiche wie moderne Ausbildungsstätte der HTL im südlichen Ortsteil Lahn ist ein kräftiger Beweis, dass die Struktur noch lebt und wächst. Die Innsbrucker riccione architekten haben die Schule mit Bauten bereichert, die sich im Bestand einpassen und trotzdem ausdrucksstark gelungen sind.

Vielseitig wie das schulische Angebot war das Raumprogramm für die dringend nötige Erweiterung, das die Bundesimmobiliengesellschaft in den vergangenen Jahren umgesetzt hat. Neben Aktualisierungen am Bestand wurde ein Haus mit neuen Klassen und Bibliothek errichtet. Am weiter südlich gelegenen Werkstättengelände entstanden ein Holzlager, ein Zubau für das Hauptgebäude und zuletzt ein Pavillon mit weiteren Praxisräumen und Kantine. Für die Bauherrschaft wie Nutzer war es ein Vorteil, dass der erfolgreiche Wettbewerbsbeitrag des Tiroler Architekturbüros schrittweise verwirklicht werden konnte. Nicht nur, weil staatsnahe Budgets in diesen Tagen knapp bemessen sind, auch weil der Betrieb mit 480 Schülern so gut aufrechterhalten werden konnte.

Begonnen wurde das Projekt mit der kompakten Kiste des Holzlagers, abgesehen von einem kleinen Betonkern ein reiner Holzbau. Der Zubau beim Werkstättengebäude schließt den Bestand zum See hin ab. Hier sind helle Räume mit toller Aussicht für Instrumentenbau- und Restaurationszweig entstanden. Die Stahl-Holz-Konstruktion überspannt einen praktischen Werkplatz im Freien. Anderes leistet der Neubau am Ortseingang. Seine Tischform lässt genügend Außenraum um das Gebäude, das mit der Bibliothek eine wichtige, sichtbare Funktion enthält. Das Obergeschoß mit vier Unterrichtsräumen über dem Betonsockel ist aus Holz. Eine kleine Brücke führt zum Altgebäude.

Vier Charakterbauten

In der letzten Bauetappe wurde ein Solitär ohne bauliche Anbindung an den Bestand realisiert, ein richtiger Pavillon. Die grüne Blecheinhausung der Leimbinder über den Hallen gibt dem Flachbau eine eigenwillige Kontur. Mit Veranda, Freitreppe und großen Verglasungen öffnet er sich zur Uferwiese. Innen bestimmen grobe Betonwände das Bild, die Leitungen sind wie überall auf Putz, die Türzargen außenbündig auf die Wand montiert.

Deutlich als Ergänzung konzipiert sind die Volumen trotzdem in sich schlüssig. Mit leichten Verbindungselementen wird Neues an Altes angedockt. Es sind keine "Zu"-Bauten, sondern Nachbarschaften, die die umgebende Dorfstruktur in ihrer Durchlässigkeit weiterstricken. Typisch für alle Häuser ist der lässig-pragmatische Umgang mit Material und Detail, der die Dinge zeigt, wie sie sind – ohne Glättung, ohne angestrengte Künstlichkeit. Dazu kommt Mut zur eigenständigen Konstruktion und Form, die für jeden Bauteil aus der jeweiligen Nutzung und dem landschaftlichen Kontext neu entwickelt wurden. Ein buntes Durcheinander ist es aber nicht. Einiges wiederholt sich und verbindet. Die hell lasierten, sägerauen Fichtenbretter der Fassaden sind ein Beispiel, oder die für Holzbauten eher ungewöhnlichen Alu-Profile der Fenster. Auch die weiß lackierten Stahlteile der Stützen, Geländer und Träger gehören zu dem unverwechselbaren Kanon. Wohl in Abgrenzung zum großen Wurf, zur allumfassend richtigen Lösung, die oft favorisiert wird, spricht Architekt Clemens Bortolotti von "Gebasteltem". Es ist nicht Bauen nach standardisiertem System, sondern Bauen im Kleinen, ein fein abgestimmtes Reagieren mit möglichst günstigen Mitteln. Ein verstreutes Ensemble interessanter Gebäudetypen ist so entstanden, die individuell sind und doch verwandt. "Es ist fast wie eine Boygroup", so Bortolotti schmunzelnd, "für jeden Geschmack ist etwas dabei."

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Artikel Tobias Hagleitner 03. Oktober 2015 - 00:04 Uhr
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